Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Kronenzeitung 2019/2020 ?

Zwischen 1941 und 1943 musste Johann Bachinger (98) aus Haag in Russland ums Überleben kämpfen - die grausamen Bilder hat er auch 75 Jahre nach dem Kriegsende nicht vergessen ...

Viele gibt's mittlerweile nicht mehr!" Mit Stolz erzählt Johann Bachinger immer wieder, dass er der zweitälteste Einwohner der Stadt Haag ist.

Umso wichtiger ist es auch für den 98-jährigen gebürtigen Sindelburger, über die schrecklichen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg zu berichten. Auch 75 Jahre nach Kriegsende hat er nichts vergessen. Detailgetreu erzählt der zweifache Uropa, wie er im Dezember 1941 nach Russland geschickt wurde. Und über die Winterstellung und die ersten Waffenge fechte an der Front. Die Bilder, die er von den Kämpfen in Rschew, wo zwischen 1942 und 1943 Hunderttausende ihr Leben ließen, beschreibt, lassen einem den Atem stocken. „So viele sind neben mir gestorben", sagt Bachinger mit gedrückter Stimme, „ein Obergefreiter ist zwei Schritte neben mir gelegen, und dann ist eine Granate reingesaust ... "

Bachinger hatte aber Glück, kam aufgrund einer Verletzung im Sommer 1942 ins Lazarett und wurde. auf Heimaturlaub geschickt. „Im Oktober musste ich aber wieder an die Front. Zum Glück hab' ich dann das Wolhynische Fieber bekommen. Das war meine Lebensrettung!" Dass er in der Schlussphase des Krieges nicht auch noch ein drittes Mal nach Russland musste, hatte der Landwirt dem Zufall und der Ausbildung zum Hilfsausbilder zu verdanken: „Ich wär' sonst nicht mehr zurückgekommen!"

Daniel Lemberger


Johann Bachinger erinnert sich genau daran, als er als 19-jähriger nach Russland an die Front musste.