Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Tagblatt, 23. 6. 1937

Raubmord bei Haag aufgeklärt.

Am 7. Mai wurde bei der Stadt Haag in Niederösterreich der 59jährige Loepold Kirschbichler in seinem Anwesen erschlagen aufgefunden. Von ANfang an war es klar, daß nur ein mit den örtlichen Verhältnissen betrauter der Täter sein konnte.

Man wußte, daß eine Hausiererin öfters bei Kirschbichler nächtigte und forschte die Frau aus. Sie wurde verhaftet, leugnet aber jede Beteiligung an der Tat. Allerdings gab sie zu, dass sie zwei Wanderburschen von den Lebensgewohnheiten des Besitzers erzählt habe.

Nun suchte man nach den beiden Männern, doch konnte man sie - man hatte inzwischen ihre Namen erfahren - nicht finden. Einer von ihnen, der 32jährige Schlossergehilfe Paul Misi, ein Ungar, war am 9. Juni bei Loipersbach über die ungarische Grenze, der zweite, der 27jährige Johann Prunk, am 2. Juni bei Sommerein über die tschechoslowakische Grenze gegangen.

Die beiden hatten wenige Tage vorher in einer Scheune bei Freistadt mit einem dritten Wanderburschen, Ernö Fuchs aus Repcse Janosta, genächtigt. Dort hatte sie die Gendarmerie aufgegriffen. Es war zu einem Exzeß gekommen. Die beiden Burschen flüchteten, während Ernö Fuchs durch einen Gewehrschuß verletz wurde. Im Spital legte Fuchs ein Geständnis ab.

Die Hausiererin hatte bereits im April Johann Horvath und Paul Misi zum Anwesen Kirschbichlers geführt und ihnen genau gezeigt, auf welche Weise sie eindringen könnten. Ein paar Tage später wurde Fuchs in den Plan eingeweiht und dann der Raubmord durchgeführt. Die Täter erbeuteten nicht, wie sie gehofft hatten, 12.000 bis 13.000, siondern nur 700 Schilling.

Fuchs und die Hausiererin wurden dem Gericht eingeliefert. Gegen die zwei geflüchteten Mörder sind Steckbriefe erlassen worden.