Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Linzer Tages-Post, 12. 6. 1934

Kassenschränker.

Drei verwegene Kraftwagenlenker aus Steyr, die in der Sparcasse der benachbarten Stadt Haag in Niederösterreich ein Depot von 28.000 S - wahrscheinlich als Kaution - liegen haben, beschlossen, sich dieses Depot in der Nacht vom 9. zum 10. d. M. zu holen. Sie fuhren mit einem Kraftwagen nach Haag. Einer blieb als Afsicht beim Wagen und die anderen machten sich ans Werk. Die Eingangstür wurde mit einem Dietrich geöffnet; schwieriger war schon das Durchbrechen einer Mauer, um in das Kassenlokal zu gelangen. Nachdem der Wiederstand überwunden worden war, wurde die Kasse an der Rückseite "sachverständig" geöffnet. Allerdings verursachte die nächtliche Arbeit ungewöhnlichen Lärm, so daß eine über dem Kasseraum wohnende Partei erwachte und die Behörde verständigte. Als der Aufpasser beim Wagen die drohende Gefahr nahen sah, ließ er, rasch entschlossen, seine Gefährten im Stich und machte sich mit dem AUto auf den Heimweg nach Steyr. Die Zurückgebliebenen wurden von zwei kräftigen Fleischhauergehilfen, die sich freiwillig an der Verfolgung der Einbrecher beteiligten, festgenommen und dem Bezirksgerichte Haag eingeliefert. Dort wurden die Namen der nächtlichen Kassenschränker festgestellt: Richard Hawelka, David Birksteiner und Leander Zauner. Das Kreisgericht St. Pölten wird sich mit ihnen näher befassen.