Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Ybbser Zeitung, 8. 10. 1932

Das Haager Festspiel.

Es war ein ungemein glücklicher Gedanke der Festleitung den durch seine Dichtungen "Ennswaldeiche", "Der Bauernhauptmann" und "Eisen und Stahl" weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannten Dichter, Msgr. Prof. Doktor Wagner in St. Pölten, um die Schöpfung eines Festspieles zu bitten. Denn er, dem eine so starke Heimatliebe eignet, war ja dazu der allein berufene Mann. Und weil Wagner sein Spiel mit dem Herzen geschrieben hat, darum fand es auch den Weg zum Herzen der Zuhörer aus dem schönen Mostviertel. Der stürmische Beifall am Schluß der zweistündigen Aufführung, der wahrhaft frenetisch wurde, als der Dichter auf das Podium trat, um in seiner gemütvollen Weise ein paar freundliche Worte an seine "lieben Haager Landsleute und Mostviertler" zu richten, war Beweis genug, was für einen tiefen Eindruck das prächtige Spiel gemacht hatte. Allerdings mußte das geschriebene Wort durch Regie und Spiel erst zum Leben erweckt werden. Und das war der Fall. Fr. Oberlehrer Bäunard als Regisseurin hat sich diesmal selbst übertroffen. Im Verein mit den Herren Stier und Puchegger stellte sie jene Massenszenen, komponierte sie jene Bauerntänze und Reigen, die die Besucher immer wieder zur Begeisterung hinrissen. Musikdirektor Harmer gab mit seinen kunstsinnigen Muaikern in den flotten Märschen, in den von ihm komponierten Fanfarenrufen und dn Chorgesängen die freundliche Untermahlung zu den stimmungsvollen Bildern. Und was soll man über das Spiel sagen? Auch der verwöhnteste Zuschauer - und verwöhnt sind die Haager von früheren Zeiten her - wurde hingerissen. Frau Harmer (Reserl und Stadt Haag), Herr Stier (Vater Leopold und Sprecher von Steyr), Herr Puchegger (Donaufürst), Doktor Senkovsky (Landsknechthauptmann), Fräulein Weilguni (Sprecherin von Linz), Herr Teltscher (Sprecher von Amstetten), Herr Pytlik (Sprecher von Waidhofen), Herr Schreiber (Rüdiger von Bechelaren), Herr Schachner (Sprecher von Dürnstein), Herr Lichtenberger (Herr von Blitz) und Herr Kneidinger (Michl), sie waren lauter Prachtfiguren. Ein glücklicher Gedanke war es, das durch Frl. Winter mit Kindern einstudierte Menuett in den Rahmen des Festspieles einzubeziehen; es wurde dadurch die Massenwirkung noch verstärkt und anderseits dem Spiel eine neue liebliche Note verliehen. Ganz dem heiteren Gemüt unseres Volkes angepaßt waren die Bauerntänze. Das Festspiel, das jedesmal ausverkauft war, bedeutete demnach ein neues Ruhmesblatt in der Geschichte der Haager Bühne.