Linzer Tages-Post, 18. 11. 1918
Festnahme einer Räuberbande.
Aus Haag (N. Oe.) wird uns geschrieben:
Wie berichtet, verübten in der letzten Zeit eine Bande verwegener Burschen in der Gegend von Haag, St. Valentin und Ernsthofen Einbrüche und mehrere Ueberfälle. In der Nacht zum 5. d. M. kamen fünf Männer - man glaubte, daß es von der Südfront kommende Soldaten waren - zum Grabenbauerngute der Marie Panholzer in der Ortschaft Radmaier, Gemeinde Ernsthofen, erschreckten die Bewohner durch Schüsse, drohten, das Haus anzuzünden. und riefen, daß sie 25 Anarchisten seien, während weitere 100 Mann das Haus umstellt hätten, so daß es für die Bewohner kein Entrinnen gebe. Die Räuber verlangten von der Bäuerin sofortige Auslieferung von 600 K bar, sowie Fleisch und Brot. Die Bäuerin folgte in ihrem Schrecken den Räubern das verlangte Geld nebst drei Kilo Selchfleisch und einen Laib Brit aus. In derselben Nacht versuchte dieselbe Bande einen Einbruch im Pulverbauerngute des Johann Schmirl in Holzner, Gemeinde Ernsthofen, wobei der alte Knecht Franz Eglseer, der die Einbrecher überraschte, von einem derselben erschossen wurde.
Einige Stunden früher überfiel wahrscheinlich die gleiche Bande das Blümelgut in Unterwinden und das Fellnergut in Weinzierl, wo sie Lebensmittel forderten und unter Drohungen auch erpressten. In den letzten Fällen sollen es sechs Räuber gewesen sein.
Am 7. d. M. trat die Bande noch frecher auf. Ihrer fünf (zwei waren mit Gewehren bewaffnet) kamen sie um 11 Uhr vormittags zum Bartlehnergute in Endholz bei St. Valentin und verlangten in Furcht einflößender harscher Weise Fleisch, Brot und Most. Als ihnen der Besitzer Johann Michlmayr nur Most verabreichte, begannen die Männer zu schimpfen, einer schoß durch das Stubenfenster in die Küche, wohin sich die Hausbewohner geflüchtet hatten, ein zweiter gab vier Schüsse durch die verschlossene Haustüre in das Innere des Hauses ab. Glücklicherweise wurde niemand getroffen. Darauf forderten sie für jeden Mann von ihnen 100 K, sowie einen Renken Selchfleisch und Brot. Um sein und seiner Hausgenossen Leben zu schützen, folgte ihnen schließlich der Bauer durch ein Fenster 500 K und Fleisch und Brot aus, worauf die Räuber abzogen.
Darauf zug die Bande nach Radhof, Klaubling und Reichhub in die Gemeinde Haag ab , wo sie ähnliche Gewalttaten verübte. Die Gendarmerie von Samkt Valentin und Haag war seither eifrigst auf der Suche nach den Räubern. Man hatte Anhaltspunkte gefunden, daß die Räuber in der Haager Gegend hausen müßten, und es gelang der Gendarmerie, deren Unterschlupf beim Bahnwächter Josef Schatz in Kirchdorf zu entdecken. In der Hütte des Bahnwächters hatten sie einige Betten stehen und eine ansehnliche Menge von Beute aller Art von ihren Räubereien verwahrt. Als Mitglieder der Räuberbande wurden außer dem Bahnwächter Joseph Schatz der Knecht Michael Vesinger aus Haag, der Häuslerssohn Josef Insprucker von Erla und der Taglöhner Josef Haider aus Gutenhofen verhaftet und dem Bezirksgerichte Haag eingeliefert. Zwei weitere Genossen der Bande, der Knecht Leopold Haselberger von Haidershofen und der Knecht Leopold Rottinger von Schwertberg, sind flüchtig. Man vermutet, dass sie sich in den Bezirk Perg nach Oberösterreich begeben haben. Ihre Verfolgung ist im Gange. Die Bande hat erwiesernermaßen auch einen Schweinediebstahl am Grubergute in Anger bei St. Pantaleon, Schafdiebstähle in den Bauernhäusern Schwärzer und Jungbauer in Endholz und andere Diebstähle verübt. Sie dürfte auch einen Raubüberfall in Klein-Weitessergute zu Waasen ausgeführt haben. Durch die Ergreifung der Bande wurde die Bewohnerschaft der ganzen Gegend von begründeter Angst und Besorgnis befreit. Die Räuber trugen Uniforn, haben aber nie beim Militär gedient.