Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Linzer Tages-Post, 29. 5. 1900

Zur Bezirksgerichtsfrage.

Die Frage der Verlegung des Bezirksgerichtes von Haag nach St. Valentin macht gegenwärtig der Gemeinde Haag und ihren Insassen bedeutende Sorgen. Jahrelang weigerte sich die Gemeinde, auch nur den kleinsten Wünschen der Behörden Rechnung zu tragen, bis endlich sich St. Valentin der Sache bemächtigte und eine Bewegung in Fluss brachte, um das Bezirksgericht in diesen Ort zu verlegen. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass von den betheiligten Gemeinden Erla, St. Pantaleon, Ennsdorf, Ernsthofen, Haidershofen, ein Theil von Behamberg und Strengberg unbedingt nächer und günstigere Verbindungen nach St. Valentin als nach Haag haben. Wenn trotzdem manche Gemeinderäthe von unserem Orte näherliegenden Gemeinden sich nicht für die Verlegung aussprechen wollen, so hat dies seinen Grund darin, dass verwandtschaftliche Rücksichten mitsprechen. Würde eine Volksabstimmung eingeleitet, wäre die Majorität unbedingt für St. Valentin. Wenn an maßgebender Stelle auf die große Mehrheit der Bewohner des Gerichtsbezirkes Rücksicht genommen wird, kommt dasselbe nach St. Valentin, wenn nicht, bleibt es in Haag.