Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Linzer Tages-Post, 15. 5. 1900

Zur Verlegung des Bezirksgerichtes.

In Angelegenheit der verlegung des Bezirksgerichtes von Haag nach St. Valentin, für welche sich, wie schon gemeldet, die Valentiner stark einsetzen, hielt am 8. d. M. der Gemeinderath in Haag eine Sitzung, in welcher er sich lediglich mit dem Baue eines neuen Bezirksgerichtes beschäftigte. Das Bezirksgerichtsgebäude entspricht in baulicher Beziehung nicht mehr den heutigen Anforderungen, namentlich Arreste nicht in sanitärer Beziehung. Der Gemeinderath, welcher das ehemalige Freudenschusshaus zur Vergößerung des Bezirksgerichtes ankaufen wollte, nahm dann das Project auf, lieber ein neues Gebäude zu erbauen, und machte die nöthigen Schritte bei den Behörden, jedoch ohne Resultat. Nachdem nun die Gemeinde St. Valentin die Sache in die Hand genommen hat, wurden in Haag Besprechungen und Versammlungen abgehalten, um der den Markt schwer schädigenden Verlegung des Gerichtes vorzubeugen. Bürgermeister Aigner brachte die diesbezügliche Eingabe der Gemeinde Sanct Valentin zur Verlesung und besprach dieselbe. Weiter sprachen noch die Gemeinderäthe Dr. Jenal, Sturm und Hochwallner über diese Angelegenheit. Nachdem noch der Bürgermeister den jetzigen Gemeinderath in dieser Angelegenheit vertheidigt hatte, kommt er auf die durch den früheren Bürgermeister und Sparcassedirector veranlasste Aenderung des Statutes zu sprechen und betont, dass dadurch der Gemeinderath eingeschränkt sei in der Verwendung der Sparcasseüberschüsse für Gemeindezwecke. Nachdem noch Gemeinderath Perndl und andere Gemeinderäthe dem Bürgermeister zugestimmt hatten, wurde schließlich vom Gemeinderathe Geiblinger di eGeldbeschaffung zum Neubau des Bezirksgerichtes besprochen und seitens des Gemeinderathes dem Baue einstimmig zugestimmt, und hiermit ist der Bau eines neuen Gebäudes, welches allen modernen Anforderungen entspricht, beschlossene Sache. Die Herren Aigner, Dr. Jenal und Sparcassedirector Weiß werden zu dem Behufe nach St. Pölten fahren und dort mit dem Präsidenten persönlich Rücksprache pflegen.