Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Linzer Tages-Post, 14. 12. 1907

Bahnverkehr

Verbesserung des Bahnverkehres zwischen Amstetten - St. Valentin.

Zu der unter diesem Schlagwort in Nummer 282 dieses Blattes erschienenen Notiz wird uns aus Seitenstetten (N.Oe.) noch folgendes geschrieben: Zur Erreichung eines günstigeren Zugsverkehres auf der Strecke Amstetten - St. Valentin und bequemer Anschlüsse nach Steyr und Waidhofen an der Ybbs wurden schon wiederholt Versuche gemacht, blieben aber erfolglos. Nun versammelten sich auf Anregung des Herrn Johann Kaiserreiner, Bürgermeister von Haag, am 5. d. M. 56 Bürgermeister und Gemeindeausschüsse als vertreter von 28 Gemeinden im Gasthause Wunsch zu Seitenstetten zur Abhaltung eine rgemeinsamen Konferenz in Eisenbahnangelegenheiten. Herr Kaiserreiner wurde zum Vorsitzenden, Herr Max Merkinger, Bürgermeister von Seitenstetten, zu seinem Stellvertreter und Ignaz Hartmann, Gemeinderat aus Haag, zum Schriftführer gewählt. Herr Kaiserreiner besprach in längerer Rede die mangelhafte Zugsverbindung auf der obgenannten Strecke. Nach Amstetten verkehre von Haag von 6 Uhr 56 Min. früh bis 1 Uhr 26 Min. nachmittags kein Zug; wolle man zum Wochenmarkt in Waidhofen, so müsse man schon um 1 Uhr 55 Min. nachts wegfahren, da man sonst erst um 11 Uhr 7 Min. in Waidhofen anlange, also zu einer Zeit, da das Hauptgeschäft schon abgewickelt ist, und wenn man mit dem Zuge um 10 Uhr vormittags nach Steyr fahre, so könne man vor 10 Uhr 10 Min. nicht mehr zurückkehren. Solche Zustände seine kaum bei einer Vizinalbahn zu finden. In Niederösterreich betrage die direkte Steuer per Kopf 8, im Gerichtsbezirk Haag fast 14 K, Haag sei also einer der höchstbesteuerten Bezirke, während die Verkehrsverhältnisse zu den schlechtesten auf der ganzen Linie der Westbahn gehören.

Reichsrats-Abgeordneter Josef Stöckler dankte dem Vorsitzenden für die Einberufung der Konferenz. Dann führte er aus, das Beispiel der Strecke Steyr - St. Valentin zeige, daß die Möglichkeit bestehe, für genügend Züge Sorge zu tragen, aber für die niederösterreichische Strecke der Westbahn zwischen Amstetten und St. Valentin sei von der Eisenbahndirektion schwer etwas zu erreichen. Er ist dafür, daß eine Verbindung mit Haag durch Schnellzüge und gute Anschlüsse für den Fernverkehr angestrebt werden, und schlägt vor, sich direkt an das Eisenbahn-Ministerium zu wenden.

Auch Bürgermeister Karl Schmied von St. Peter, Bürgermeister Karl Kubasta von Amstetten und Gemeinderat Josef Röcklinger von Aschbach brachten ihre Wünsche vor, die auf einen regeren Zugsverkehr auf der Strecke Amstetten - St. Valentin und auf eine bessere Verbindung mit dem Ybbstal und der Ybbstalbahn hinzielten.
Der Vorsitzende bedauerte, daß die Bahndirektionen von Wien und Linz trotz erfolgter Einladung keine Vertreter zu dieser Konferenz entsendeten. Hierauf wurde eine vom Schriftführer Ignaz Hartmann beantragte Resolution angenommen, in der die berufenen Behörden aufgefordert werden, den im Interesse der Bevölkerung gestellten, gerechten und zum Teil leicht zu erfüllenden Wünschen der Konferenz bald Rechnung zu tragen.

Nun wurde ein Ausschuß eingesetzt, der die Resolution durch genaue Angabe der verlangten Züge zu ergänzen und sodann allen interessierten Gemeinden zur Beschlußfassung vorzulegen hat. Den Beratungen dieses Ausschusses sollen auch Vertreter der Stadtgemeinden Steyr und Waidhofen an der Ybbs beigezogen werden. In den Ausschuß wurden gewählt: Johann Kaiserreiner, Bürgermeister von Haag (Obmann), Karl Braml, Bürgermeister von Haidershofen, Ludwig Wagner, Gemeinderat in Krenstetten, Karl Schmied, Bürgermeister von St. Peter, Karl Kubasta, Bürgermeister von Amstetten, und Josef Stöckler, Bürgermeister von St. Valentin und Reichsratsabgeordneter. Die Mitglieder dieses Ausschusses werden auch die Abordnung bilden, die unter der Führung der Abgeordneten des Bezirkes beim Eisenbahnminister vorsprechen soll. Herr Stöckler dankte hierauf dem Vorsitzenden für die Leitung der Konferenz, worauf dieser die Versammlung schloß.