Linzer Tages-Post, 8. 12. 1907
Gemeindeausschußsitzung
In der am 30. November abgehaltenen Sitzung des Gemeindeausschusses Haag wurde vor Eingehen in die Tagesordnung dem heuer in Pension gegangenen Schuldirektor Herrn Johann Tippl, der im Jahre 1897 zum Ehrenbürger von Haag ernannt worden ist, in Anerkennung seines vieljährigen ersprißlichen Wirkens an der hiesigen Volksschule von dem Bürgermeister Johann Kaiserreiner vor dem versammelten Ausschusse ein mit einem Brillanten geschmückter goldener Ring überreicht. Der Bürgermeister gedachte hiebei mit warmen Worten der großen Verdienste des Gefeierten um die Bildung der hiesigen Bevölkerung. Herr Tippl dankte in längerer Rede für die ihm zuteil gewordene Anerkennung und Ehrung.
Nun beriet der Ausschuss, der zugleich als Sparkasseausschuss fungiert, über eine von der Sparkassedirektion gewünschte Aenderung der Sparkasse-Statuten, die von dem zur Sitzung geladenen landesfürstlichen Kommissär Herrn Franz Buchegger in eingehender Weise besprochen wurde. Auf Antrag des Gemeinderates Ignaz Hartmann wird eine Überprüfung der Sparkasse-Statuten in ihrer Gänze vorgenommen werden und die Beschlußfassung in der nächsten Sitzung erfolgen.
Als erster Beratungs-Gegenstand des Gemeindebeschlusses stand die Festsetzung des Voranschlages für 1908 auf der Tagesordnung. Dieser wurde einstimmig nach den Ansätzen des Finanzausschusses, und zwar mit 49.200 K in den Einnahmen und Ausgaben angenommen; die Gemeindeumlage beträgt wie in den letzten Vorjahren 28%.
In Angelegenheit der Bestimmung jeder der drei Feuerwehren (Haag, Haindorf und Pinnersdorf) hinsichtlich der Aufstellung von Brandwachen bei eventuellen Bränden und der Durchführung der Feuerbeschau wurde der im Einvernehmen mit den Kommandanten der drei Wehren ausgearbeitete Verteilungsplan genehmigt.
Auf Anordnung des Bezirksstraßenausschusses ist das Terrain der verbreiteten Bezirksstraße zweiter Ordnung Nr. 172 suzuheben und neu zu beschottern; das Rohschottermaterial stellt die genannte Behörde aus der ihr gehörigen Schottergrube in Gstetten zur Verfügung. Die Schotterlieferungen und das nötige Fuhrwerk wurden im Offertwege an Matthias Wagner und Josef Schafellner vergeben.
Schließlich wurde aus Anlaß eines zwischen zwei Ausschussmitgliedern ausgebrochenen Streitfalles in Jagdpacht-Angelegenheiten zur Klarstellung des Sachverhaltes und Stellung entsprechender Anträge ein Untersuchungsausschuß eingesetzt, in den Bürgermeister Johann Kaiserreiner und die Gemeinderäte Josef Riener, Josef Naglstraßer, Ignaz Wagner und Franz Lugmayr entsendet wurden.