Der Bautechniker, 5. 9. 1902
Gerichtsgebäude mit Gefangenhaus in Haag, Niederösterreich.
Von Architekt Anton Gürlich in Wien.
Durch die erweiterte Gerichtspflege, welche sowohl aus der Zunahme der Bevölkerung, wie auch aus den neuen Einrichtungen herbeigeführt wurde, ergab sich in sehr vielen Orten die Nothwendigkeit, den höheren Anforderungen auch durch Neubauten Rechnung zu tragen, und dieser erweiterten Gerichtspflege auch die nöthigen Räume zu schaffen.
Dies führte auch in dem alten Markte Haag in Niederösterreich zu dem Entsehlusse, ein neues, allen Anforderungen an Grösse und Einrichtungen für absehbare Zeit vollkommen entsprechendes Gebäude für das Bezirksgericht und Gefangenhaus zu erbauen. in welchem auch alle modernen Anforderungen der Humanität und Hygiene erfüllt werden sollen.
In dem Bestreben, ein solches nach allen Richtungen entsprechendes Gebäude zu schaffen, wurden mehrere Architekten eingeladen, Projecte zu verfassen, und fand das vorliegende Project die Genehmigung sowohl der Gemeinde, als auch der Justizbehörde und des Ministeriums.
Als Bauplatz wurde ein ca. 5600 m² grosser Grund in sehr günstiger Lage an der Hauptverkehrsstrasse des Marktes angekauft. Von dieser Fläche wird von dem Gerichtsgebäude und dem Gefangenhaus zusammen 1021 m² verbaute Fläche in Anspruch genommen; diese beiden Gebäudetheile sind unter Einhaltung der bezüglichen Vorschriften so situiert, dass ausser den Höfen und Fahrwegen noch ein grosser arrondierter Theil des Bauplatzes für Gartenanlagen übrig bleibt.
Das Gerichtsgebäude ist 2 Stock hoch projectirt und enthält im Souterrain Depot und Kellerräume für die Ämter und Wohnungen, und die Waschküche, im Parterre mit geräumigem Vestibül, die Amtsräume des Steueramtes und des Geometers, und eine Amtsdienerwohnung; der 1. Stock dient ausschliesslich zu Amtszwecken für das Bezirksgericht sammt Grundbuch; im 2. Stocke ist eine grosse Wohnung für den Bezirksrichter, eine kleinere Reservewohnung und eine Amtsdienerwohnung unterbracht.
(Schluss folgt).




