Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Aus der Pfarrchronik:

Pfarrer Reichhart berichtet

"Am 10 Juli 1850 starb der Hochw hl. Dechant

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Kaspar Schabl und im Jänner 1851 wurde ich von S.Majestät dem Kaiser Franz Josef zum Pfarrer von Haag ernannt. In der Pfarre Haag 1802 in der Ortschaft Lehen H6 , studierte ich in Seitenstetten die untere Schule, in Kremsmünster Philosofie und trat im Herbst 1823 in das bischöfl. Alumnate zu St: Pölten und hielt im Jahre 1827 in meinem Geburtsort Haag meine Primiz. Nachdem ich 3 Jahre als Kooperator in Sindelburg und über 10 Jahre als solcher in Neulengbach gedient hatte, wurde ich im Jahre 1841 vom Kaiser Ferdinand zum deutschen Prediger an der deutschen Nationalkirche St.Maria dell´Anima in Rom ernannt, zwei Jahre darauf wurde ich auch an derselben Kirche und im Hospize als Rektor angestellt und hatte diesen Posten durch sieben Jahre nemlich bis zum Ausbruche der Revolution inne. In Rom verlebte ich meine glücklichsten Jahre. Wer je in Rom auch nur kurze Zeit zugebracht hat, wird gestehen, daß man keinen Ort der Welt schwerer verläßt als Rom, die h.Stadt, das Zentrum der katholischen Kirche. Ich will nichts sagen von den kirchlichen Festlichkeiten, die täglich stattfinden von der Pracht des Gottesdienstes

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der Majestät päpstlicher Funktionne und des Hofstattes, des Glanzes der Kardinäli u römischen Fürsten, die Schönheit und Größe der römischen Basiliken, der Wohl-thätigkeits-Institute und  der grandiosen Alterthümer; ich will nur erwähnen, daß der Geist der Liebe, der Barmherzigkeit, der Opferwilligkeit mit einem Worte der Wahrhaft katholische Geist und des katholischen Leben des Römer; daher Rom mit vollem Rechte die heilige Stadt genannt wird. Bei aller Fröhlichkeit der Römer sieht man keine Ausgelassenheit, keine Tänze und Bälle in den Gasthäusern, nichts Ärgerliches oder  was sonst das Auge beleidigen könnte, das ganze Jahr hindurch keinen Betrunkenen. Die Reinheit der Sitten ist in keiner Stadt so ausgezeichnet als in Rom. Ich erlebte in Rom 1846 das Hinscheiden des h.Vaters Gregor XVI.  Sah und wohnte den ergreifenden Begräbnisfeirlichkeiten bei, sah dann die Vorbereitungen zum Conclave und nach der Wahl den h.Vater Pius IX auf den Balcon des Quirinals heraustreten, mit einem Sacktuch sich die Thränen aus den Augen zu trocknend, sich dem Volk zeigend und den apo-

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stolischen Segen spendend. Leider sah ich auch in der Folge die Ovationen, die von Freuden Emissären künstlich und consequent eingeleitet und durchgeführt, das beste Herz des Vaters der Gläubigen täuschen sollte, Und so wurde  des edle römische Volk, das so an der Religion und dem h.Vater mit wahrhaft kindlicher Liebe hängt, in die Revolution hineingezogen. Unbekannt mit den Krümmungen der Lüge und des Verraths, unbekannt mit der  Politik, ließ sich dieses Volk täuschen durch die Verheißungen der Schreier und des großsprecherische Treiben derjenigen, die von dem Pöbel getragenen an der Spitze standen.

Ich übergehe das weitere, da es ohnehin bekannt ist, und will nur noch anführen, was mich selbst betraf.  Vor allem wurden die Deutschen dem Haß und der Ver... preisgegeben, und besonders die Österreicher. Da ich nun an der ganzen Anstalt der einzige österr. Priester war, so kann man ermessen, in welche Stellung auch ich gerieth. Meine besten Freunde zogen sich zurück, und da ich Vorstand des Hauses und der Kirche war, so befand ich mich in einer wahrhaft bedrückenden Lage. Schon im Spätsommer

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des Jahres 1846 schrieb man in mein Brevier in der Sakristei von unbekannter Hand die Worte: „Morte ai Tedeschi“ Tod den Deutschen. Schon in diesem Jahre entfernten sich einige Deutsche aus Rom; ich hielt noch aus, obschon ich einsah, daß die Revolution fortschreiten und auch meinr Existenz gefährden werde. Von dieser Zeit an, das Jahr 1847 hindurch hatte ich viel auszustehen, durch  Verleumdung, Anfeinden und Angebereine suchte  man mich zu verdrängen, auch wurden anonyme Drohbriefe nicht gespart: unheimliche Gestalten drängten sich an mich, suchten mich auf,  oder gingen mir nach, so daß ich ohne Bedienten nicht mehr ausgehen konnte; und da die Sache sich von Tag zu Tage verschlimmerte,  so sah ich keinen anderen Ausweg als Rom zu verlassen. Mit blutendem Herzen verließ ich diese Stadt beinahe alle meine Effekten u meine Bibliothek zurücklassend. Als ich spät abends durch die Porta Cadellegiera (?) den linken Säulengang am St.Petersplatz entlang aus der Stadt fuhr, überliel mich eine

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Wehmuth, daß ich mich nicht faßen konnt. Es schien mir unmöglich, nun Rom zu verlasen und sie nicht mehr sehen zu sollen.

Was in jener Nacht in meinem  Innern vorging, kann ich  nicht beschreiben. Ich glaube daß ich nie einen größeren Schmerz empfand als in jener Nacht. Rom zu verlassen, die h.Stadt, die Mutter der Gläubigen, preisgegeben zu sehen der Anarchie und der Wuth der Revolution, beherrscht u. tirannisiert von einer wilden Rotte ungläubiger u gottlosen Revolutionären, das alles ging mit schrecklich zu Herzen. Die armen Römer ein sonst so edles u vortreffliches Volk, jetzt fanatisiert, ein Werkzeug ausländischer  Sendlinge. Ich klage die Römer und das römische Volk nicht an, edlere  und besserer Menschen habe ich niergends getroffen. Aber betört durch Aufwiegler  glaubten sie ihren Versprechungen und erwarteten in der revolution ihr Heil. Wir sind zu grausam getäuscht worden! Ich lebte 7 Jahre in ihrer Mitte verkehrte mit den höchsten Personen, und auch mit dem geringstem Volke, ging im Sommer während der heißesten Zeit häufig auf das Land, da es mir meine Stellung erlaubte, ein oder zwei Monate

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im Sommer von Rom abwesend sein zu können; ging nach Toskana und Neapel, hielt mich an verschiedenen Orten auf, machte in Italien unterschiedliche Reisen nach verschiedenen Gegenden. Überall aber lernte ich in der Bevölkerung die trefflichsten Menschen kennen, wo man besonders in der protestantischen Presse nichts  andres weil, als daß dieses Land schlecht bebaut, von Räubern wimmle, sah ich auf all meinen Reisen, die ich meistens allein machte, auch nicht einzigen Räuber, wurde mir auch nie das Mindeste im Wege gelegt, entwendet oder gestohlen, sondern ich sah auch die Felder im besten Zustand, überall ein fleißiges und arbeitsames wohlhabendes, bescheidenes, einfaches, wenig Bedürfnisse kennendes Volk. - Ich habe es oben vergessen und schalte es hier ein, daß ich oft Gelegenheit hatte, mich der höchsten Person S.Heiligkeit sowohl des Papstes Gregor XVI als auch Pius IX nähern zu können. Gewisse Kirchen bringen dem h.Vater am Lichtmeßtag eine geweihte Kerze, die ich für meine Kirche mit vielen andern Pfarrern u Kirchen-vorstehern zu übringen die Ehre hatte, und die der h.Vater in seinen Gemächern

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auf em Thron sitzend in Empfang nimmt. Öfter kommen die Pfarrer Roms, denen auch ich mich als Seelsorger einer Nationalkirche anschließen durfte, in feyerlicher Audienz zum Papste , einmal wurde ich gewürdiget als Apostel zugelassen zu werden, wo Papst Gregor die Füße der Apostel wusch und küßte u. bei der öffentlichen  Tafel die Apostel bediente, auch einen großen Blumenstrauß ein goldene u silberne Medaille zum Geschenke machte. Als österr: Priester u Rector der  Kirche hat ich in den höchsten Kreisen Zutritt bei Kardinälen und Fürsten und machte mit so vielen Persönlichkeiten und hochgestellten Personen, Bischöfen, Gelehrten und anderen, die von der ganzen Welt  in Rom zusammenströmen, die interessantesten Bekanntschaften. All dem machte die Revolution ein Ende. Traurig fuhr ich hinaus und durch die römische Campagnia längs des mittelländischen Meeres nach Civita vecchia, wo ich früh morgens ankam. Dann ging es zur See nach Livorno, wo auch schon alles drunter und drüber ging, von da nach Genua  wo die Revolution gleichfalls in schönster Blüte war, von da über Mailand und

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Venedig nach Wien. Kaum in Wien angekommen, brach die Revolution auch in Wien aus. Am 13.März 1848 und so kam ich vom regen in die Traufe. Ich nahm in Wien ein Privatquartier, da ich sonst keine Herberge bis ich im Mai desselben Jahres durch den damaligen hochwürdigsten Hof- u Burgpfarrer Ignaz Feigerle (derzeit Bischof von St.Pölten) Sr:Majestät dem Kaiser Ferdinand als Schloßkaplan von Schönbrunn  empfohlen wurde. Nun hatte ich doch wieder eine Anstellung. Ich lebte da still und zufrieden bis zum Jahre 1851, wo ich als Pfarrer in meinem Geburtsort Haag am Feste Visitationis B.M.Virginis in der Fasten meine Installation feierte.

Aus der Pfarrchronik:

Pfarrer Reichhart berichtet:

"1851

In Haag angekommen, fand ich das Haus leer. Da gabes nun viel zu thun. Es mußten Leute aufgenommen werden, Einrichthung angeschafft, Pferde und anderes Nutzvieh eingestellt werden. Ich ließ in diesem Jahr das Ziergärtchen im Hause das Satatl mit der Wasserleitung wieder herstellen, auch in der Wagenremise eine Zwischenmauer versetzten, um Raum für eine Presse und einer Birnreibe zu gewinnen, beide Stück ließ ich ganz neu herstellen, auch kaufte ich 150 Eimer

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Fäßer, das Wetter im Sommer war sehr schlecht, die Feldfrüchte schwer einzubringen, da es fast immer regnete. Von Korn bekam ich 54 Schober, Weizen 56, am meisten war der Hafer; was ich in diesem Jahr an Getreide verkaufen konnte, betrug 894 f 37 x W.W..Von den 56 Schober Weizen bekam ich 82 Metzen, von 54 Schober Korn 99 Metzen; Gerste und Halbtraid 92 Mtz. Am meisten Hafer über 200 M.  In diesem Jahre habe ich 11895 f 22x W.W. ausgegeben. In diesem Jahre 1851 starb der hochw. hl. Bischof v.St:Pölten Anton Buchmayr im 82.Jahre seines Alters.

 

1852

In diesem Jahr wurde am Sonntag Sexagesimæ das von Sr:Heiligkeit ausgeschriebene Jubiläum feierlich eingeläutet, und die Pfarrkinder zur Gewinnung des Jubiläums Ablasses aufgefordert, auch die Bethstunden bekannt gegeben und die einzelnen Gemeinden  zur Empfangung der h. Sakramente an bestimmten Tage eingeladen. Am 3.Sonntag zu der Fasten wurde das h.Jubiläum geschlossen.  Das Wetter war in diesem Jahre besser. Ich bekam an Korch 67 Schober u davon 188 Mtz.  Weizen 65 Schober u 149 Mtz. Gerst 100 u Hafer 100 Mtz.  Und nahm in allem, was ich an Getreide verkaufen konnte 2052 f 56x W.W. ein. In diesem Jahre habe ich an Dienstlohn und anderen Erfordernissen 8491 f 9x W.W. ausgegeben.

 

1853

In diesem Jahr begann die Grundent-

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lastungs-Commission in Haag ihre Arbeiten. Die Pfarre Haag erhielt eine jährliche Rente an Zehent und Laudemial Bezügen von 2259 f 30 x lmm(?) und die Schuldverschreibuung No 1770 Kapit. 45190 f  à 5 pCto dto 1 Febr 1855.   Die Kirche eine jährliche Rente von 87 f u die Schuldverschreibung No 1658 Kapit. 1740f à 5 pCto dto 1.Febr 1855; Beide liegen in der kirchenlade. So schwand mit einem Male der Wohlstand der Pfarre Haag dahin. Hl.Dechant Perschi bemerkt in diesem Buch an einer Stelle, daß nachdem er eine Sache in Bezug auf die Unterthanen mit der Vogteiherrschaft Salaberg beigelegt hatte, daß der Wohlstand der Pfarrer auf ewige Zeiten gesichert sei; wie würde er staunen, wenn er jetzt von dem Grabe aufstehen würde. Bei den Lasten, die auf dieser Pfründe haften, bei den großen Gebäulichkeiten, die er erhalten muß, wird von nun an jeder Pfarrer froh sein dürfen, wenn er daraus kommt. Von einem Wohlstand oder einer Ersparnis wird in Zukunft keine Rede mehr sein. Die Kirche Österreichs hat durch die Ablösung einen Schlag erhalten, von dem sie sich nicht mehr wird erholen können, besonders aber ist die Pfarre Haag schwer getroffen worden. Zur Erhaltung des Hauses

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bei den immer größeren Aufwendungen der Dienstbothen reicht die Wirtschaft beiweitem nicht aus. Dann sind zwei Kooperatoren zu erhalten u zu verpflegen, die Steuern und Abgaben zu bestreiten, und was die Handwerksleute für ein so großes Haus kosten, das geht ins Große. - In diesem jahre wurde der Dachstuhl der Kirche ausgebessert, das ganze Kirchendach umgedeckt, im Pfarrhof über den Getreidekasten und dem großen Saale die Dachung mit Ziegeln eingedekt mit einem Kostenaufwand von mehr als 2000 fl Cm. Bei dem Ansuchen wegen diesen nothwendigen Reparaturen wurde die Bewilligung mit der Versicherung erthielt, daß die Auslagen ab cerario(?) bestritten werden, hintendrein mußte leider die Kirche das ganze bezahlen, was bei den ohnehin geringen Einkünften der Kirche wohl sehr empfindlich ist. In diesem Jahre erhielt ich 132 Mtz Korn, 92 Mtz Weizen, 120 Mtz Gerste und Halbtraid, 200 Mtz Hafer, und nahm von dem was ich verkaufen konnte im ganzen nur 1479 f 59x W.W. ein , obschon  der Weizen 20fl, das Korn 14fl kostete; in diesem Jahre beliefen sich die Ausgaben für mein Haus auf 8914 fl 49x W.W."

 

 

Aus der Pfarrchronik:

Pfarrer Reichhart berichtet:

"

1854

In diesem Jahre haben sich S.k.k.apost.Majestät der Kaiser Franz Josef I. mit

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der durchlauchteseten Prinzessin von Baiern Elisabeth, Tochter Ihrer königl.Hoheiten des Herzogs Maximilian Josef und der Herzogin Ludovika geb.königl. Prinzessin von Baiern <s>in Ischl verm</s>  vermählt.  Von Sn.Heiligkeit wurde ein Jubiläums-Ablaß bewilliget, der der 3 Monate dauerte nemlich v 1.Nov 1854 bis letzt Jänner 1855. In unserer Pfarrkirche wurden durch diese 3 Monate in jedem Monat 2 Bethstunden abgehalten, wozu die einzelnen Gemeinden singend u bethend zum Gotteshaus kamen. Merkwürdig bleibt dieses Jahr auf ewige zeiten durch den feierlichen Ausspruch Sr.Heiligkeit Pius IX am 8.Dezember, daß Maria ohne Erbsünde empfangen sei. Der hochw hl.Bischof hat in seiner Diözese in einem rührendem Hirtenschreiben am letzten Sonntag nach Pfingsten ein feierliches Hochamt in allen Pfarrkirchen angeordnet, um den h.Geist anzuflehen, daß er Sr.Heiligkeit in Bezug des Ausspruches der unbeflekt. Empfängnis erleuchte.  In meinem Hause wurde in diesem Jahr ein Eiskeller gegraben, in der Küche der Sparherd neu gelegt, ein neues Pflaster von Quadersteinen in der Küche gelegt, von der Toreinfahrt die schlechten spitzen Steine herausgenommen und mit Steinplatten ersetzt, das Innere im Hofraume neu gefärbelt, die Gänge im Haus ausgebeßert

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auf dem Dachboden eine neue Selchkuchel  mit Ziegeln feuersicher gemacht, da früher alles Fleisch zum Selchen in ein fremdes Haus getragen werden mußte, das sehr unangenehm ist. - Im Bezug auf die Feldwirtschaft habe ich in diesem Jahre eingefechset 155 Mtz Korn, 85 Mtz weizen, bei 180 Mtz Gerste u Halbtraid, bei 300 Mtz Hafer, von dem Überschuß was ich verkauft habe, nahm ich ein im ganzen 1772 fl W.W.  In diesem Jahr habe ich für mein Haus, Dienstleute ausgegeben 12194 fl 30x W.W. Das Metzten Weizen kostete 22 f 30x, Korn 17 f 30, Gerste 10f15, Hafer 5 fl W.W. in diesem Jahre."

 

Aus der Pfarrchronik:

Pfarrer Reichhart berichtet:

"1855

In diesem Jahr war die Feier des Dogma´s, daß Maria die allerseligste Jungfrau schon bei ihrer Geburt ohne alle Makel der Erbsünde empfangen sei, das merkwürdigste Ereigniß. Dieses Fest wurde in der ganzen Diözese am 3.Sonntag nach Ostern begangen. Es wurde von Seite des hochw Ordinarites allen Pfarrern aufgetragen, über die abgehaltene Feier einen offiziellen Bericht einzuschicken. Ich lasse diesen Bericht hier folgen, damit man auch in späteren Zeiten noch weiß, wie in der Pfarre Haag dieses Fest gefeiert wurde.

„An das hochw bischöfl.Consistorium. Unterthänigster Bericht des gehorsamst gefertigten Pfarrers von Haag Sebastian Reichardt über die am 3.Sonntage nach Ostern l.J. in der Pfarre Haag abgehaltene Feierlichkeit

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in Betreff des Dogma de immaculata Conceptione.

Am 2.Sonntag nach Ostern wurde die Feierlichkeit von dem unterfertigten Pfarrer in der Spätpredigt seiner Gemeinde bekannt gegemacht. Die Predigt handelte von den Vorgängen der allerseligsten Jungfrau; und nach Verlesung der ersten 3 Punkte, nemlich a Mutter Gottes, b Jungfrau u Mutter zugleich also jungfräuliche Mutter, c im ganzen Leben ohne Sünde, kam es zu dem 4.Vorzug, nemlich ohne Makel der Erbsünde empfangen, u beleuchtet diesen Glaubenssatz; schließlich zeigte er an, wie die Feierlichkeit gehalten werden wird, u ermahnte seine Pfarrkinder, sich darauf würdig vorzubereiten. Die Feierlichkeit selbst wurde am Sonntag darauf um 3 Uhr Nachmittags durch ein viertelstündiges Läuten mit allen Glocken begonnen. Die einzelnen Gemeinden der Pfarre kamen nun processionsweise von allen Seiten, die Schuljugend voran, bethend und singend in das Gotteshaus, wo um 4 Uhr feierlicher Segen abgehalten wurde; noch vor dem letzten Segen wurde die liebe Frau Litanei von den Priestern vorgebethet. Schon zu Mittag wurde eine sehr schöne Statue der unbeflekten Empfängnis von Holz geschnitzt ½ Zentner schwer, festlich geschmükt auf dem Hochaltar ober dem Tabernakel aufgestellt, der Hochaltar selbst und die ganze Kirche war mit der größtmöglichen Pracht ausgestattet worden.

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Wie der Tag des Festes durch das hochw. Ordinariat bekannt wurde, wurden folglich alle Anstalten dazu getroffen; die Beleuchtung des Hochaltars und die Ausschmückung desselben sogar auf den Gesimsen mit Girlanden u Blumen war ungemein ergreifend. Schon bei der  Vesper gab sich eine Andacht und Rührung kund, daß fast Niemand sich der Thränen enthalten konnte, und die große Kirche war nicht im Stande die Menge der herzugeströmten Gläubigen zu faßen.  Abends war an diesem Sonntag allgemeine Beleuchtung des Marktes, Muttergottesbilder waren vor die Fenster gestellt, Transparente und Inschriften paßend angebracht; da gab es kein Fenster, an welchem nicht ein par Lichter brannten; auch der ärmste Inwohner hatte Mittel gefunden, seiner Liebe zur Mutter Gottes Ausdruck zu geben. Da die Häuser des Ortes samt Kirche zum Theile auf dem Berge und tiefer um den Berg herum und unter demselben liegen, so machte es einen eigenen ergreifenden Eindruk durch die Bäume hindurch auf allen Seiten Lichter durchschimmern zu sehen. Unter der Beleuchtung war auf dem Platze feierliche türkische(?) Musik. Als diese wir gewöhnlich bei feierlichen Anlässen, mit dem Kaiserlied geschlossen wurde, hat gewiß jedermann ein Memento bei der Himmelskönigin für unseren Kaiser und Herrn gemacht. Es war an diesem Abende allgemeine Freude, alles ging die Beleuchtung anzusehen, alles war freudig aufgeregt, es galt

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ja zur Verherrlichung der Mutter Gottes. Am Sonntage in aller Frühe krachten die Pöller zum  Gruß des festlichen Tages, und von 4 Uhr früh angefangen war das Herzueilien in die Kirche allgemein;  niemand wollte zurükbleiben, ja schon die ganze Woche hindurch gab es in der Pfarre Streit, aber heiligen Streit, Niemand wollte während des Gottesdienstes am Sonntag das Haus hüthen, alles wollte der Feier beiwohnen; Dienstbothen bathen in den rührendsten Ausdrücken ihre Dienstgabe um diese Gnade, versprachen, um so fleißiger an den Wochentagen zu arbeiten u so geschah es, daß an diesem Tage nur alte gebrechliche Leute, die ohnehin nicht mehr in die Kirche zu gehen im Stande waren, zurückblieben, ja viele Häuser waren ganz verlassen, wurden zugesperrt und unter den Schutz der Mutter Gottes gestellt, und es ist weder in der Kirche noch außerhalb derselben in der Pfarre auch nur das mindeste  unangenehm vorgefallen. In aller Frühe schon wurde das hochw.Gut ausgesetzt, <s>nach</s> vor dem Hochamte das schöne Hirtenschreiben Sr.bischöfl. Gnaden vorgelesen, und mit der gespannten lautlosen Aufmerksamkeit angehört.

Unter dem Hochamte war nach der Communion des Priesters General-Communion, die vier Stände dauerte. Schon Samstag Abends und Sonntags früh drängten sich die Gläubigen in die Beichtstühle, und es konnte aus Mangel an hinreichenden Kräften doch nicht alle befriediget werden. Daher gab es noch die ganze Octav hindurch zahlreiche Confessionen, bei

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der General-Communion unter dem Hochamte allen mögen wohl über 400 abgespeiset worden sein. Nach dem Hochamte wurde im Prespyterium, außerhalb des Speisgitters ein schön decoriertes Gerüst a u auf dieser des eigens zu dieser Feierlichkeit verfertige Tragaltar auf 6 Stagen ruhend, aus weißem feinem Stoff oben und unten und ander herabhängenden Seitentheilen mit rothen und weißen Rosen wie überfrt in Form eines Baldachins aufgestellt, hinauf die Statue von dem Hochaltar herabgenohmen und auf diesen Baldachin festgemacht. Die Mutter Gottes hatte einen weißen aus feinen Spitzen mit roten Rosen durchwirkten Mantel, und vom Hintertheile des Hauptes wellten 12 schwere seidene lange Bänder von verschiedenen Farben herab, in der einen Hand hatte sie eine Lilie, die andere war frei. Die Wolken, auf welcher die Statue ruhte, waren mit den feinsten Blumen-guirlanden verziert, und so stand die Mutter Gottes frei  und in bedeutender Höhe, so daß jedermann bei diesem Anblicke auf das Innigste gerühret wurde. Der Glanzpunkt der ganzen Feierlichkeit aber war die Prozession. Bald nach Mittag wurden um die Statue herum Hellebardiere in kirchlicher Kleidung ferner 12 Jünglinge mit blauen Scherpen aufgestellt, die bestimmt waren, die Statue abwechselnd zu tragen, und 12 weißgekleidete Jungfrauen, gleichfalls mit blauen Scherpen, welche die 12 Bänder hielten. Mittlerweile zogen die einzelnen Gemeinden der Pfarre wieder bethend und singend  heran u. processionsweise in die

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Kirche hinein, die sich bald so füllten, daß ganze Scharen Volkes keinen Platz mehr fanden; es strömten nemlich nicht nur die eigenen Pfarrkinder herzu, sondern auch viele aus anderen Pfarren, ja sogar viele zu Wagen aus entfernten Gegenden sogar aus Oberösterreich. Um ½ 3 begann die Predigt, die Herr Kooperator Stefan Sagfriedmüller hielt. Nach der Predigt war feierliche musikalische Litanei vor ausgesetztem hochwürd. Gute. Dann ordnete sich der Zug unter Absingung der lauretanischen Litanei, der Baldachin, auf dem die Muttergottesstatue befestigt war, wurde von den Jünglingen vom Gerüst herabgenommen und durch die dichtgedrängten Scharen der Gläubigen die Kirche hindurch getragen. Die Prozession eröffnete die Schuljugend mit Kreuz und Fahnen, begleitet von ihren Lehrern, dann folgten die Zünfte mit ihren reich decorierten Fahnen, dann kam der Musikchor, der abwechselnd einzelne Musikstücke vortrug, hierauf die Muttergottesstatue von 12 Jünglingen abwechselnd getragen und umgeben von 12 Jungfrauen, die die seidenen Bänder hielten, weißgekleidete Mädchen alle mit blauen Schärpen gingen vor dem Bilde, andere folgten nach, es mochten ihrer bei 70 gewesen sein; hierauf folgte der Clerus im schönsten Ornat, dann die Beamten die sich alle ohne Ausnahme bei diesem Feste betheiligten auch schon unter dem Hochamte anwesend waren, und endlich der lange Zug des begleitenden Volkes

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unter Bethen und Singen. Als die Statue außerhalb der Kirche war und nun die herabwallenden Bänder in Winde flatterten und rauschten, die hehre Himmelskönigin von der Höhe herab auf das Volk niedersah mit liebreichen Angesichte, da bieb auch kein Auge trocken, es war eine wahre Huldigung es war ein Triumph der allerseligsten Jungfrau. Und nun war schon die große Kirche zum Erdrücken voll, wie staunte man, als der ganze bedeutend großeMarktplatz gleichfalls mit Gläubigen angefüllt war und sich der Prozession anschlossen. Die Häuser des Ortes waren auf das Glänzendste geschmückt, es brannten Lichter an den Fenstern, schön gezierte Muttergottesbilder ausgestellt und an den Mauern, Nischen oder Fenster befestiget, Tageten und andere sinnige Verzierungen fehlten auch nicht. Der Zug bewegte sich unter dem Geläute aller Glocken und  dem Abfeuern der Pöller wie am Frohnleichnamstage den Weg nach dem Friedhof hin außerhalb des Friedhofes wie am Frohnleichnamstage bei einer uralten steinernen Muttergottessäule die pietá vorstellend ein sehr schön gezierter Altar errichtet, an welchem halt gemacht wurde. Von den Priestern wurde die lauretanische Litanei vorgebethet und mit voller Musik das Lied „Gnadenquelle sie gegrüßt“ von dem gesamten Volk gesungen und kam fortschreitend in der Niederung um die Pfarrhoffelder auf einer anderen Seite des Marktes gleichfalls festlich geschmückt auf den Marktplatz zurück. Am Pfarrhof war gleichfalls ein Altar errichtet, es wurde

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wieder die Litanei gebethet u das Lied „Maria sei gegrüßet“ mit voller Musik gesungen. Ergreifend war es, wie die Maße Volkes am Platz mit vielen 1000 Stimmen das Lied zur Ehre der Mutter Gottes absang. Die Prozession begab sich von hier in die Kirche, wo nach dem deutschen Tedeum der feierliche Segen mit dem Hochw: gegeben und so nach ½ 4 Uhr Abens die Feierlichkeit geschloßen wurde. Die Statue wurde noch am selben Abend auf den Hochaltar gestellt, wo sie die ganze Octav blieb. Nach allen Richtungen zerstreute<s>n</s> sich unter Danksagung die freudig bewegte Menge, u zählte diesen Tag zu den schönsten ihres Lebens. Die ganze Octav hindurch wurde nach der ersten h.Messe die lauretanische Litanei gebethet und der h.Segen gegeben. - Am folgenden Sonntag d.i. den 4 nach Ostern wurde in der Früh das Hochw. ausgesetzt u blieb wie am vorhergehenden Sonntag bis nach dem Hochamte ausgesetzt.  Der Eifer der Gemeinde war noch so groß, wie am Feste selbst, gedrängt voll die Kirche, die Beischtstühle belagert.  Vor dem hochamte hielt der Gefertigte die Predigt, in welcher er wieder wie vor 8 Tagen von Rom ausgehend in der einleitung den goldenen Kranz besprach  und die Gemeinde dazu einlud, die sich auch seitdem zahlreich einschreiben läßt, dann übergehend auf das Fest schilderte er die Freude, die er selbst und die ganze Gemeinde hatte, und die seligen Folgen, die dieses Festes begleiten werden und <s>besch</s> sprach in

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der Predigt von den Früchten, welche die Verehrung der alleseligsten Jungfrau uns gewährt u zwar a) daß Maria geuer bei uns bleibt. b) daß Maria uns viele Gnaden leibliche und geistliche spendent. c) daß Maria sich unser annimmt im Leben und besonderes in der Sterbstunde. Bei dem letzten Punkte fügte ich als Beweis des besonderen Schutzes des seligsten Jungfrau das durch ihre Hilfe abgewendete Unglück des h.Vaters u. so vieler anderer Personen im Kloster S.Agnese fuori le Mura in Rom an  und erzählte die ganze Begebenheit weitläufig mit allen Umständne, was mit größter Aufmerksamkeit und Theilnahme angehört wurde; verkündete zugleich für den nächstfolgenden Sonntag ein feierliches Dankamt für die glückliche Rettung Seite:Heiligkeit u lud die Gemeinde ein, bei dieser Dankandacht zahlreich zu erscheinen, was auch geschah.Nachmittag wurde zu Ehren der <s>Em</s> unbflk Empfänis vor ausgesetzen Hochw. Gute eine Bethstunde abgehalten und nach derselben ein Opfergang für die Armen gehalten, auch der h.Kreuzpartikel zum Küssen gegeben, und obgleich Nachmittags sehr schlechtes Wetter war u in einem fort regnete, so erschienen die Gläubigen doch so zahlreich in der Kirche, daß der Opfergang über eine volle Stunde dauerte und das Muttergotteslied wie auch andere Gebethe oft wiederholt werden mußten und die Andacht erst spät endete. -  So schloß eine Feierlichkeit, die die Gemüther der Gläubigen mit h.Liebesfeuer zur allerseligsten, reinsten und allzeit unbefkten Jungfrau durchglühte,

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die zarte Kinderherzen mächtig hob, sich der Mutter Gottes ganz zu weihen, Jünglinge u Jungfrauen zur unverbrüchlichen Treue gegen die erhabene Himmelskönigin begeisterte, und in allen den h.Emtschluß hervorrief für den kath.Glauben, dieses größte Gut zu leben und zu sterben. Der größte Dank gebührt Sr. bischöfl. Gnaden Gnaden unserm hochwürdigst u gnädigsten Herrn Ordinarius, hochwelcher in dem lateinischem Hirtenschreiben in so warmen beredten worten den Seelsorgern die Art u Weise angab, das Fest mit möglichster Pracht zufeiern.  Diesen Dank lege ich hiemit Sr. bischöfl. Gnaden unterthänigst zu Füßen.  -  Der Eifer bei diesem Feste war so groß, alle, auch die sonst lauen, gleichgültigen Xten mit fortgerissen wurden; selbst verkommene Handwerksgesellen, deren kirchliche Richtung eben nicht als Muster aufgestellt werden könnte, so wie auch nicht ihr Lebenswandel, betheiligten sich in größter Andacht un Erbauung bei diesem Feste und äußerten sich zu Hause auf die Frage, ob sie auch bei der Prozession waren, ganz freudig, daß sie von Anfang bis zum Ende beiwohnten, und man wahrhaft verthierb sein müßte, wenn man bei einer solchen Feier nicht auch das innigste bewegt und gerührt würde. Möge diese Huldigung, die sie der seligsten Jungfrau darbrachten, durch ihre mächtige Fürbitte der Anfang einer echt katholischen Gesinnung u eines kath. Lebens bei diesen seyn.   Zum Schluße will ich noch bemerken, wie in der ganzen Pfarre

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die Muttergottesbilder geziert u geschmückt wurden. Da gab es schon kein Muttegottesbild in der ganzen Pfarre, welches nicht die Octav hindurch auf deas beste geschmükt waren. Diese Bilder, in den Häusern, in Kammern, in Kapellen, auf allen Wegen, in den Wäldern, auf den Straßen überall mit Blumenkränzen geziert <s>mit</s> u mit einem oder mehreren Lichtern versehen; es war ein wahrhaft kath.Fest, es war katholisches Leben, katholische Freuden.  Uiberall in der ganzen Pfarre, wohin man immer ging, begegnete man schön u festlich geschmückt Muttergottesbildern. -  Möge nun die allerseligste allzeit unbefkte Jungfrau diese Huldigungen, die gewiß in reinster Absicht dasgebracht wurden, gnädigst anrufen und meine mir von Sr.bischöfl gnaden anvertraute Gemeinde im kath Glauben erhalten immer mehr darin stärke u kräftigen im reinen keuschem Sinn u Leben erhalten und von Sünde u Verderben schützen und bewahren.

Pfarre Haag im Juni <s>854</s>  1855          Sebastian Reichhardt, Pfarrer

Dieser Schutz der seligsten Jungfrau zeigte sich bald; noch in der Octav am 5.Mai schlug der Blitz am Seitenaltar sogenannter Frauenaltar ein  lief rings um die goldene Rahmen des Altarbildes herum, schwärzte und verdarb diese Rahmen, welche später neu vergoldet werden mußten, schwärzte und verbrannte theilweise den der Festlichkeit

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wegen die Rahmen umgebenden Kranz, so daß er ganz unbrauchbar wurde, ohne zu zünden, wodurch die Kirche und der ganze Markt von großer Gefahr bewahrt wurde. Sah man sich das Bild, das vom Altar herabgenommen wurde an, besonders die Rahmen u den Kranz, so war es unbegreiflich wie der Blitz Rahmen u Kranz verdarb, ohne das Bild zu beschädigen und zu zünden. Zum Andenken an diese beinahe wunderbare Rettung wird alle Jahre am 5.Mai zur Danksagung eine heilige Segenmesse abgehalten.

Wichtig und merkwürdig <s>ist auch</s> für ewige Zeiten ist das in diesem Jahre zwischen Sr.Heiligkeit Papst Pius IX  und Sr.Majestät Kaiser Franz Josef I. abgeschlossene Concordat.

In diesem Jahr habe ich vom verkauften Getreide 1829f 15x W.W eingenohmen; ausgegeben habe ich in diesem Jahre im ganzen 10.862f 55x W.W.

1856

In diesem Jahre wurde in hiesiger Pfarrkirche zum erstenmale die Mai-Andacht mit großer Theilnahme abgehalten mit Ordinariatsbewilligung. Diese Andacht wird in Zukunft immer gehalten werden. "