Pilgerbericht 1857
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Wenn ich als Schulknabe, in Büchern das Leben der heiligen Familie, Jesus, Maria und Josef las, wenn ich ihren Wandel betrachtete und überdachte, wenn ich den hochw. Herrn Kooperator Wagner[1] das Leben der ersten Christen erzählen hörte; ergriff mich oft eine Sehnsucht die Gegend und die Orte wo diese Christen gelebt haben kennen zu lernen.
Ich wünschte daß ich diese Orte, wo der Urheber unserer Religion, Christus, d.i. Messias, Heiland, Welterlöser, Seligmacher etz. gelehret hat, sehen könnte. Besonders wenn ich dachte, daß Christus es ist, der uns die Erkenntnis eines einzigen Gottes gelehret hat;
daß er uns den Weg geöffnet, auf welchen wir unseren Geist der Gottheit ähnlich bilden können: daß er uns das Licht der Wahrheit angezündet hat um damit die Finsternis des Juden- und Heidentums zu beleuchten. Daß er durch Gott als himmlische Blüte auf die Erde gepflanzt ward. Um die gegenwärtigen reichen Früchte zu bringen. Wenn ich dachte, wie auf seinen königlichen Thron ein Herodes vor dem göttlichen Kinde zitterte und wie wunderbar es Gott von den Dolchen des Tyranen rettete. Wenn ich des menschenfreundlichen Wandels Jesu dachte, der, gleichsam ohne Bedürfnis, wie ein Gott, nur für das Bedürfnis der leidenden Menschheit lebte; wenn ich die Tiefe und Klarheit seiner himmlischen Offenlegungen betrachtete; da entstand in mir der feste Entschluß den heiligen Orte zu besuchen.
Ich nahm mir vor, alles aufzuopfern um die Stellen zu sehen, wo der Hochgelobte vor seinen Richter stand, wo die Unschuld von Verbrechern beurtheilt wurde; ihn, der ohne hass und Groll duldete, was Groll und Hass empörende Ungerechtigkeit über ihn sprach; ich wollte den Todeshügel schauen, zu dem der Heiland voll göttlicher Ruhe hinwandelte, weinend, nicht über sein Schicksal, sondern über die rettungslose Verblendung des Juden- und Heidenthums.
Von der Zeit meiner Schuljahre war mein Gedanke stets dahin gerichtet die heiligen Orte zu besuchen, ich sparte auch von dieser Zeit an für die Kosten einer solchen Reise, ohne die Mittel und Wege zu kennen die mich an das Ziel fördern sollten; endlich hörte ich von den Severinusverein[2] in Wien, und später daß …. (fehlt)
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ein jährlich ein Aufruf an die Theilnehmer zur Pilgerreise nach Jerusalem erfolgt. Im Jahre 1856 erhielt ich die Kunde daß der hochw. Herr Aigner[3] in Steyr und hochw. Herr Dr. Salfinger[4] in Enns diese Pilgerreise mit unternommen haben, nun wurde auch mein Entschluss gefasst und das künftige Jahr 1857 zur Theilnahme an dieser Pilgerreise festgesetzt. Meine Gedanken waren von nun an meistens an das heilige Land gerichtet, Tag und Nacht sann ich über die Reise nach, wie ich mich dazu vorbereiten sollte; um mich in dieser Hinsicht aufklären zu lassen begab ich mich zum geistlichen Herrn Aigner nach Steyr und später zum hl.Dr. Salfinger nach Enns, beide sehr liebenswürdige freundliche Männer, die mir die Erfordernisse zu einer solchen Reise mittheilten; und diese sind: "Geld, ein fester Entschluß und Hingebung in den Willen des Schöpfer....
[1] Wagner Franz, geb 1794 in Böhmen, Prachetitz, war Kaplan in Haag bis zum Jahre 1824 und starb 1860 als Pfarrer von Haselbach.
[2] Der Severin-Verein in Wien besteht seit und hat viele Pilgerfahrten ins Heilige Land organisiert.
[3] Aigner war Pfarrer in Steyr
[4] Pfarrer Johann Salfinger hat einen Reisebericht über seine Pilgerfahrt herausgegeben: "Die Fußstapfen unseres Herrn Jesu Christi", Haas, Steyr 1857, 248 Seiten;
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