Die Lagerung (Tektonik) der Schichten im Haager Vorlandbecken
Vergegenwärtigen wir uns nochmals, dass gegen Ende des Alttertiärs die bisher ungefalteten Gesteine der Flyschzone von den gebirgsbildenden Kräften erfasst und in Faltenwellen gelegt wurden, hierauf aber, durch Abtragung teilweise zerstört, das Material für den Vorlandschlier lieferten.
In der darauffolgenden Miozänzeit kam es neuerdings zu Bewegungen, die das ganze bereits gefaltete Flysch- und Kalkvoralpengebiet hoben und wölbten und dabei den Flysch randlich auf die Schlierablagerungen des Alpenvorlandes schoben. Es ist verständlich, wenn bei diesem Vorschieben der Flyschfront gegen das Vorland die starren Untergrundrücken des Grundgebirges als Widerlager wirkten, eine Stauwirkung ausübten, wodurch der ältere (Meletta-) Schlier am Rande der Sandsteinzone eine Stauchung, ja eine steile Aufpressung erfahren hat. Diese Aufpressungszone des genannten Schliers ( = subalpine Molasse) entlang des Flyschrandes ist von Seitenstetten über Weistrach bis an die Krems in Oberösterreich verfolgbar und im Gebiete von Bad Hall an einem Profile besonders deutlich geworden.
Andererseits wirkten sich Schubkräfte des Alpenkörpers auch noch gegen die Mitte des Vorlandbeckens hin aus, wo bekanntlich über dem Grundgebirge der ältere Meletta- und darüber der jüngere Haller Schlier lagern. Beide wurden längs einer steilen Störungsfläche aufgeschleppt und erst nördlich davon klingen die Kräfte der Alpenbewegung im Schlierlande aus. Es ist die sogenannte Adersdorf er Störung (das bereits erwähnte Adersdorf an der Westbahn), die auch noch weiter westlich bis Bad Hall reicht und daher auch im südlichen Raume von Haag anzunehmen ist. (Vergleiche Skizze 2.)
Erläuterungen zu den Skizzen
Skizze 1: Das Profil von Haag. Es reicht von der Enns, an der noch das Niederterrassenfeld angedeutet ist, über die Loderleite und den Südrand der Stadt bis zum Markstein, führt somit annähernd quer durch das Gemeindegebiet. Die Profillänge beträgt rund 10 km.
Die oberste Lage ist Deckenschotter (mit den Löß- und Verwitterungslehmen), der stellenweise - Erla- und Grabnerbach - unterbrochen ist. Der Deckenschotter endet ostwärts knapp hinter der Ziegelei Gruber-Penzing, wo der jüngere oder Haller Schlier hervortritt. Auf dem Markstein ist über dem Haller der jüngste oder Helvet-Schlier angedeutet, der die Verlandung des Meeres anzeigt. Darüber Reste von jungtertiären (pliozänen) Flussschottern (Quarzsteinchen auf den Feldern). Die Schlierlehme, die örtlich sehr beträchtlich sind, wurden nicht ausgezeichnet.
Der Granit-Gneisboden, das Kristallin, beginnt ostwärts mit dem Untergrundrücken von Altenhofen Strengberg; seine Absenkung zur erwähnten Rinne (die unterirdische Fortsetzung des Gallneukirchner Beckens) ist am Profilrande nur als Abbiegung und nicht als Steilabfall (Verwarf) gezeichnet, da ein solcher dort nicht ausgeprägt ist. Anschließend die langgestreckte und flach absinkende Südwestflanke des Rückens, über dem die Stadt sich befindet. Die Tiefenlage des Grundgebirges sowie die Schlierschichten darüber im Marksteingebiete sind durch Tiefbohrungen, ihr weiterer Verlauf mit Hilfe seismischer Karten festgelegt.
Skizze 2: Ein Profil längs des Untergrundrückens ; es reicht von den Sandsteinbergen über Seitenstetten - am Markstein knapp vorbei - bis zur Granitaufragung beim Angerbauer und zeigt die Stellen der Tiefbohrung von Dehendorf und Adersdorf, ferner die Aufschleppung der Schliermasse an der Adersdorfer Störungsfläche, anschließend die Zone des aufgepressten Schliers (subalpine Molasse) und die Aufschiebungslinie der Flyschgesteine.
Ähnlich wie Skizze 2 würde ein Profil aussehen, das vom Angerbauer über das engere Stadtgebiet bis zum Flyschrand gezogen würde.

