Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

VOM GLETSCHEREIS UND SEINEN SCHMELZWÄSSERN

Ein Gletscher arbeitet wie ein Förderband. Das Gesteinsmaterial, das der Eisstrom mit sich führt und als Moräne bezeichnet wird, ist vor allem Verwitterungsschutt, der schon in den obersten Gletscherräumen, im Gebiete der stärksten Temperatursprünge und Gefriersprengungen am Gestein, dem Eise als Fracht überantwortet wird. Im Weiterströmen fällt Schutt auch von den tieferen Hängen zu, ein Anteil kommt aus der Schurfarbeit im Gletscherbett; für unsere Zwecke aber sind bedeutsam die sogenannten Endmoränen, die von der Gletscherzunge am unteren Eisrande bei längerem Stillstande bzw. beim Eisrückzug abgesetzt werden.

Wer sie einmal gesehen hat - die Moränenlandschaft um Kremsmünster bietet ein klassisches Beispiel dafür - kann sie niemals mehr mit einem Fluss-Schotter verwechseln; das Moränenmaterial ist ganz anderer Art. Es bietet das Bild eines wirren Durcheinander: die scharfkantigen Gesteine der Oberflächenmoränen, die geschliffenen und gekritzten Geschiebe aus der Grundmoräne liegen völlig ungeordnet und in verschiedenster Größe durcheinander. Dem Eisstrom fehlt die sortierende und schichtende Kraft des strömenden Wassers, er trägt überall gleichmäßig, „das Staubkorn und den Felsblock", und lagert beide zugleich ab.

Wir müssen also auch noch die Arbeit der Schmelzwässer eines Gletschers berücksichtigen, um die Entstehung der Haager Schotter zu erklären. Unter dem Gletscher sammeln sich die Schmelzwässer des Eises, waschen den Moränenschlamm aus, rollen die Gesteinsstücke weiter ; das aus dem Gletscher strömende Gewässer setzt die Arbeit fort, lagert ihm zunächst liegende Teile der Moränen um und breitet schließlich das nun einheitlich gerundete Material vor den Moränen oder dem Eisfelde als Schotter oder feineren Kies geschichtet aus.

Solche Schmelzwasserbildungen, die sich dann von reinen Flussablagerungen kaum mehr unterscheiden, werden fluvioglaziale Bildungen genannt. Die Haager Schotter sind solcher Art. Sie sind ein fluvioglaziales Schotterfeld, dessen zugehörige Moränen vermutlich bei Admont lagen. Weiter drang der Ennstalgletscher jener Zeit - und nur ein solcher kommt ja in Frage - wahrscheinlich nicht vor.