Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

ANMERKUNGEN UND NACHWEISE

  1. Nach A. Becker geht die Bezeichnung "Strengberge" auf das Wort "Strähne" (mittelhochdeutsch "stren") in der Bedeutung auf "Reihe" zurück. Vgl. Becker A., Zur Landeskunde des Raumes von Strengberg in Niederösterreich. Wiener Geographische Studien, 13. Touristik-Verlag, Wien, 1946.
  2. Die Erläuterung des seismischen Verfahrens erfolgt später.
  3. Konglomerat, hier Groppenstein genannt, ist verfestigtes Gerölle und Geschiebe. Die Verfestigung (Diagenese) hängt davon ab, ob ein Bindemittel (Zement) vorhanden ist, das die einzelnen losen Teile zu einem festen Gestein verkittet. Das Zement ist meist kohlensaurer Kalk, der aus wässerigen Lösungen ausgeschieden wurde. Da an Felswänden einzelne Gerölle wie Nagelköpfe herausstehen, werden diese Gebilde auch als Nagelfluh bezeichnet. Der Groppenstein hat als Baustein im Alpenvorlande große Bedeutung. In Haag z. B. ist er Baustein der Pfarrkirche, die selbst wieder auf einem Konglomeratfelsen steht.
  4. Ampferer, O., Übergeologische Methoden zur Erforschung des Eiszeitalters. Vortrag, gehalten in der Wiener Geologischen Gesellschaft. In „Die Eiszeit", I. Bd., 1924.
  5. Angerer, L., Geologie und Prähistorie von Kremsmünster. Programmarbeit der Benediktiner von Kremsmünster. 1910.
  6. Penck, A. und Brückner, E., Die Alpen im Eiszeitalter. Leipzig 1901 bis 1909.
  7. Penck selbst verlegte die Bildung der Schotterfelder nicht in die Zeit des Eisrückzuges, sondern des Eishochstandes und damit der Trockenheit (Bindung der Niederschläge als Schnee und Eis). Größere Wahrscheinlichkeit besitzt die Meinung J. Stinys, der sich auch der Verfasser anschloss, nach der die Absätze Bildungen der nachfolgenden Zwischeneiszeit wären. "Die Anhäufung der Schotterfluren in Zeiten der Trocknis und Wasserarmut zu verlegen, widerspricht allen Erfahrungen des Wasserbaues. Nur die Hochwässer sind imstande, im Sammelgebiet größere Massen von Schutt in Bewegung zu setzen und so weit fortzustoßen, bis die zunehmende Mäßigung des Gefälles sie zwingt, sich des schwereren Teiles ihrer Bürde zu entledigen." Vgl. J. Stiny, Technische Geologie, Ferd. Enke, Stuttgart, 1922. — Man könnte auch die Eisentlastung und damit eine Hebung des Gebirges beim Gletscherrückzug in Erwägung ziehen, die wiederum die Wucht und Transportkraft der Schmelzwässer steigerte und sie um so mehr befähigte, den Schutt aus dem Gebirge zu tragen.
  8. Die geologische Spezialkarte, Blatt Enns-Steyr, und, auf ihr fußend, die geologische Karte der Republik Österreich von Hermann Vetters scheiden südlich von Haag am Rande der Flyschzone (Voralpenstraße) Mindelschotter (Jüngeren Deckenschotter) aus, an den nördlich Günzschotter sich anschließt, wodurch die Meinung vertreten wird, dass auch die drittletzte oder Mindeleiszeit ihre Spuren im Haager Gebiete hinterlassen hätte. Ebenso tritt Götzinger für selbständigen Mindelschotter ein, wenn er schreibt: „Auch nach der älteren Deckenschotterzeit bestand während der Aufschüttung des jüngeren Deckenschotters eine Entwässerung entlang dem Flyschrande von Steyr nach St. Peter und weiter ostwärts zur Ybbs, wie zahlreiche Reste des jüngeren Deckenschotters in diesem Raume dartun." Der Verfasser schloss sich mit Rücksicht auf eigene Begehungen des Geländes der Ansicht Pencks und dann auch der Rohrhofers an, die eine Abgliederung Jüngeren Deckenschotters östlich der Enns nicht für notwendig halten. Tatsächlich erweckt das ausgedehnte Schotterfeld den Eindruck einer einheitlichen Aufschüttung. Es fehlt jeder Böschungswinkel gegenüber den Randteilen einer höheren Älteren Decke, so dass der Höhenlage nach kein Anlass zu einer Untergliederung der Schotterflur besteht. Vgl. Götzinger, G., Das Alpenvorland zwischen Ybbs und Enns und die Umgebung von Steyr. Führer für die Quartärexkursionen in Österreich. I. Teil, Wien, 1936.
  9. Vgl. Rohrhofer, J., Die eiszeitlichen Ablagerungen im Alpenvorland zwischen der Traun und der Enns. Mitteilungen für Erdkunde. 7. Jg., Nr. 5 und 6, 9 u. 10. 1938.
  10. Rohrhofer, J., loco cit.
  11. Nach einem isländischen Worte.
  12. Löß, ein äolisches Sediment, ist nach allgemeiner Auffassung ein Gebilde der Eiszeiten. Den Beweis, dass er eine Landbildung auf weiten Steppenböden ist, liefern die in ihm gefundenen kleinen Gehäuse von Landschnecken, wie Succinea oblonga Drap., Pupa muscorum Lin., Fructicicola hispida Lin....; ferner deuten die verästelten Kalkröhrchen des Lösses auf einstige Pflanzenwurzeln hin.
  13. Dieser Abschnitt setzt die Kenntnis einiger Fachausdrücke der Geologie voraus:
    Tertiär, nach alter Einteilung der dritte Abschnitt der Erdgeschichte. Quartär, ähnlich der vierte Abschnitt.
    Känozoikum, umfaßt die Formationen des Tertiärs und Quartärs; es ist die Neuzeit der Erdgeschichte. Kainos, griechisch neu; Zoon, griechisch Lebewesen; also die Zeit der neuen Tier- und Pflanzenwelt. Die Epochen des Tertiärs: Eozän. Eos, griechisch Morgenröte. Die Morgenröte der geologischen Neuzeit. Oligo-, Mio-, Pliozän bedeuten wenig, etwas weniger und schon mehr von der Tierwelt der Neuzeit. Burdigal-Stufe des Untermiozän: nach Bordeaux, dem Burdigala des Altertums.
    Chatt-Stufe des Oligozän: auch Kasseler Stufe genannt: die Chatten, ein suebischer Volksstamm.
    Das Quartär wird gegliedert in das Diluvium oder Pleistozän und das Alluvium.
    Diluvium bedeutet Überschwemmungszeit, Pleistozän am meisten von der Tierwelt der Neuzeit.
    Alluvium, lat. alluvio, Anschwemmung (die jungen Schwemmböden der heutigen Bäche und Flüsse).
  14. Der Schweizer Ausdruck „Flysch" umfaßt eine mächtige Schichtfolge von Sandsteinen, Mergeln und Schiefertonen, die sehr wenige größere Tierreste (wie die Leitmuschel Inoceramus), aber verhältnismäßig viele Lebensspuren (Grabgänge; Kriechspuren, Schleifspuren ...) enthalten. Othenio Abel hält den Flysch für eine fossile Mangrove, wie sie auch heute an tropischen Flachseeküsten anzutreffen ist. Die Mangrovewälder sind auf schlammigem Grunde entwickelt und bestehen aus immergrünen Bäumen, die auf hohen Stelzwurzeln stehen, welche zur Flutzeit vom Wasser bedeckt sind. Die Sauerstoffarmut des Schlammbodens macht es verständlich, dass viele Mangrovebäume durch in die Höhe stehende Atemwurzeln ausgezeichnet sind (Schleifspuren solcher Wurzeln am Gestein?).
    Vgl. Hofmann, E., Das Flyschproblem im Lichte der Pollenanalyse. Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien. 94. Bd., Wien 1954. Diese Arbeit bestätigt die Vermutung einer Mangrove-natur des Flysches für das Gebiet um Muntigl-Salzburg.
    Die Flyschgesteine selbst sind Verwitterungs- und Aufarbeitungsprodukte der in Entstehung begriffenen Alpen, welche während der Kreide-und älteren Tertiärzeit (Eozän) in einem seichten Ablagerungsraum, dem Trog des Flyschmeeres, abgesetzt wurden. Im Oligozän wurde das Flyschgestein in den Alpenbau einbezogen, intensiv gefaltet, verschuppt und von Süden her auf der ganzen Länge der Ostalpen von den Gesteinen der Nördlichen Kalkalpen überschoben.
    Vgl. Ruttner, A., Beitrag zur Limnologie der Wienerwaldbäche, Sonderheft II, Wien 1953. Aus „Wetter und Leben."
  15. Vgl. F. Bachmayer und A. Papp, Lebensspuren aus dem Französischen Jura und dem Schlier Österreichs. Wien, 1951, Springerverlag.
  16. Vgl. Zapfe, H., Vorzeitliche Meere im Wiener Becken. Universum, Natur und Technik. 9. Jg., H. 15; 1954.
  17. Vgl. Petters, V., Geologische und mikropaläontologische Untersuchungen der Eurogasco im Schlier Oberösterreichs. Petroleum, 32. Bd., 1936. Ferner: Grill, R., Stratigraphische Untersuchungen mit Hilfe von Mikrofaunen im Wiener Becken und den benachbarten Molasse-Anteilen. Sonderdruck aus „01 und Kohle", 37, 1941.
  18. Die geologische Spezialkarte, Blatt Enns-Steyr, scheidet nur einheitlichen, die geologische Karte Hermann Vetters nur Miozänschlier im Vorlande aus; beides entspricht nicht den Tatsachen. Es sind zwei, bzw. drei verschiedenaltrige Schlierarten, zumindest im Haager Gebiete, zu unterscheiden.
  19. Die dem Oligozän, Unter- bis Mittelmiozän angehörigen Ablagerungen des Vorlandes, also die besprochenen Sande, Sandsteine, Tone und Tonmergel des Schlierbeckens werden auch mit dem Namen Molass e, die Schliermeere daher als Molassemeere bezeichnet. Die durch die Alpenbewegung stärker gefaltete Molasse heißt subalpine Molasse. Weiter nördlich schließt die autochthone Molasse an. Vgl. „Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebung von Wien". Verlag Geolog. Bundesanstalt, Wien 1954.
  20. Die absoluten Zeitangaben — in Jahren — nach H. Küpper in „Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebung von Wien". Wien 1954.
  21. Vgl. Schadler, J., Aufragung des kristallinen Grundgebirges im Schliergebiet zwischen St. Valentin und Strengberg. Verh. Geolog. B.-A. 1932.
  22. Grill, R., Übererdölgeologische Arbeiten der Molassezone von Osterreich. Sonderdruck aus den Verh. Geolog. B.-A. 1945. —, Das Oligozänbecken von Gallneukirchen ... Mitt. Geol. Ges. 1935.
  23. Chefgeologe Dr. Rudolf Grill, Leiter der Erdölabteilung an der Geologischen Bundesanstalt Wien, stellte dem Verfasser freundlichst das Bohrprofil der Tiefbohrung St. Johann 2 und Altenhofen 1 zur Verfügung; ihm sei auch dafür herzlichst gedankt, dass er die Untersuchung einiger Schlierproben gestattete. Das Bohrprofil St. Johann 1 verdankt der Verfasser der ehemaligen Gewerkschaft Austro-Gasco. Einige Bohrkerne (auch mit Meletta-Schuppen), sowie Schlämmpräparate der Schlierproben befinden sich in den naturhistorischen Sammlungen des Stiftes Seitenstetten.
  24. Benachbart liegt die Kristallinaufragung bei Kronstorf mit dem Scheitel in etwa 600 m, mit dem Südost-Abfall in 850 m Tiefe. Die anschließende Schmiedinger Senke reicht bis auf 1000 m hinab.
  25. Vgl. Toperczer M., Geophysik, Verlag Johann L. Bondi und Sohn, Wien, 1951; ferner Reich H., Seismische Probleme im Alpenvorland. Verh. Geol. B.-A. 1945, Reich H., Ergebnisse bei refraktionsseismischen Untersuchungen im Alpenvorland zwischen Inn und Melk. Beiträge zur angewandten Geophysik, 9. Bd., H. 3/4, Berlin 1942.
  26. Veit, E., Molasse und alpin-karpatischer Überschiebungsrand in Niederösterreich und Südmähren. N. Jahrbuch Geol. u. Paläontol. Abhandlungen. Bd. 97., Festschrift Hennig. Stuttgart 1953.
  27. Skizzen-Nachweise: Adersdorfer Störung in Skizze 2 nach E. Veit; der übrige Teil der Skizze 2 und die Skizze 1 vom Verfasser. Die unter Seitenstetten gezeichnete Aufwölbung des kristallinen Grundgebirges geht zurück auf die Auswertung des seismisch bestimmten „Kurzzeitengebietes" bei Seitenstetten (kurze Laufzeiten der Erschütterungswellen im Gestein, die jene Aufwölbung vermuten lassen). Vgl. dazu: Molterer, P., Das Land um Seitenstetten, Bote aus Seitenstetten, Ostern 1953.