Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Die wirtschaftliche Entfaltung bis zur Gegenwart

Auch die Meisterschaft ging anläßlich ihrer Stadterhe­bung (1932) mutig daran, eine Ausstellung der bäuerli­chen und gewerblichen Wirtschaft zu veranstalten. Es wurde ein berauschender Erfolg. Das Handelsministe­rium prämiierte hervorragende Leistungen in Form von Ehren-Diplomen an eine Reihe von Handwerksmei­stern. Haag ist sich fortentwicklungsgemäß seiner Ver­pflichtungen bewußt und wird kraft seines Leistungspo­tentials im städtebaulichen Charakter Feststadt des nie­derösterreichischen Mostviertels. Sie bleibt zentrale Mitte des gleichnamigen Gerichtsbezirks und gestaltet als solche auch mit am Wirtschaftslauf der niederöster­reichischen Raumplanung ihres Einzugsgebietes.

So nimmt Haag intensiv die Interessen wahr, die sich beim Bau der Westautobahn und bei der Errichtung eines Industriehafens im Enns-Donau-Winkel ergeben. Haag bekommt eine Autobahnauf- und -abfahrt und fördert Industrieanlagen im Gemeindebereich, wie zum Beispiel die Maschinenfabrik Ochsner, die Bekleidungs­fabrikation der Firmen Kneidinger und Peuerbek sowie die Sportartikelfabrik Grabner. Manche Erzeugnisse wurden in wenigen Jahren weltweit bekannt. Von der Sportartikelproduktion gehen über 60% ins Ausland.

Auch die Bedeutung des Fremdenverkehrs wird er­kannt. Man gründet einen Fremdenverkehrsverband für das Mostviertel im Verein mit dem Ybbstal und nützt alle örtlichen Möglichkeiten auf musischem und wirt­schaftlichem Gebiet. Eine Festhalle, ein Mostviertel- und Freilichtmuseum sowie ein Tierpark werden errich­tet.

Durch das geweckte Unternehmerinteresse vollzieht sich eine Angleichung an den westlichen Fremdenverkehrs­standard. Es entsteht in der Stadtmitte eine Spezialitä­ten-Gaststätte mit anziehendem weitem Wirkungskreis sowie je ein Mostviertler Autobahnrestaurant in beiden Fahrtrichtungen. Die Niederlassung einer Handelszen­trale für die NEOPLAN-Omnibusse und die Etablie­rung eines Reisebüros mit Bus-Ausflugsfahrten stellt für Haag eine weitere Bereicherung dar.

Auf dem Bankwesen wurde ein kühler Kopf bewahrt; nur ein Geldinstitut dominiert seit 1871 am Platze. Spät erst haben sich zwei Anstalten begleitend hinzugesellt. Der Kaufmannsstand hat sich durch neue Vertriebsfor­men den Verbraucherwünschen angepaßt. Die Nahver­sorgung funktioniert; keine konzerngroßen Super-Wa­renhäuser sind entstanden, vielmehr wurden die boden­ständigen privaten Handelsgeschäfte zu modernen Selbstbedienungsläden umgestaltet.

Alles, was man von einer strebsamen Stadt unserer Zeit erwarten darf, bietet sich an. Und aus dem Manager-Team der Stadtväter hervorgetreten, zieht sich rich­tungsweisend der Name Huber durch die Geschichte dieser Stadt, welcher die Entwicklung seiner Umwelt als Wirtschaftsfachmann dynamisch und weitblickend zu beeinflussen versteht. Schon 1912 war es ein Buchdrucker gleichen Namens, der bei der Ausstellung der Lehr­lingsarbeiten als Obmann fungierte.

Im gastlichen Haag floriert die Wirtschaft. Sie möge sich bis zum nächsten Jubiläum in der bisherig bewährten Weise weiterentwickeln!

 

LITERATUR:
Ernst Werner, Von der Ennswaldsiedlung zur niederösterreichischen Stadt Haag. Hg. Stadtgemeinde Haag, Haag 1956.
Handelskammer Niederösterreich Hg., Niederösterreich an der Arbeit. (Entwick­lung und Leistung der gewerblichen Wirtschaft des Landes.) Horn 1948.