Die Weber und die Schneider
Von der Geländestruktur her waren ja auch Grenzen gesetzt. Während die Waidhofner und Steyrer durch ihre flößbaren und hämmerantreibenden Flüsse naturgemäß begünstigt waren, verfügten die Haager lediglich über einen geringer wasserführenden Bach, dessen Gerinne aber ausreichend war, mit der Flachsverarbeitung geschäftliche Erfolge zu erzielen. Das Haager Tüchl, in einer Vielzahl von häuslichen Webstühlen mit Fleiß und Geschicklichkeit gewebt, war beliebt und entwickelte sich neben dem Poltinger-Tuch aus St. Pölten absatzmäßig gut.
Die Weberzunft (gegründet 1544) der Markt- und bäuerlichen Hausweber nahm Hand in Hand mit den Tüchelfärbern und Lederern einen namhaften Aufstieg. Die Zechlade (= Sitz der Zunft) stand in Haag, wo alle Meister und Knechte (Gesellen) ihres Zechladenbereiches (= mehrere Orte des Ennswaldgebietes) verpflichtet waren, zu Fronleichnam ihren Tribut zu leisten und geschlossen an der Prozession teilzunehmen. Schwierigkeiten ergaben sich mit den Störern, die nicht zunftzugehörig ihre Erzeugnisse in den Markt herein lieferten. Die Ortsobrigkeit verbot diese unerlaubten Angebote (Pfuschertätigkeit) nicht, obwohl das Marktgericht zur Untersagung befugt gewesen wäre.
Auch die Grundherrschaft stand den Webern nicht bei. Der Bitte, beim Landesfürsten ihre Zunftordnung zu bestätigen, wurde wohl entsprochen, die Beglaubigung ging aber unterwegs verloren. Die Haager Schneider (heute Kleidermacher genannt) waren tonangebend für das ganze Gebiet zwischen Enns und Ybbs; kein Wunder also, wenn sich sämtliche Schneider dieses Gebietes in die Haager Schneiderinnung aufnehmen ließen. Ihre Innung hatten sie bis in das 18. Jahrhundert hinübergerettet, da es noch keine Konfektion gab.