Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Haag als Markt

Haag wird bereits 1431 erstmals als Markt genannt. Den Bemühungen des damaligen Pfarrers von Haag, Diet­rich von Kölln, und des kaiserlichen Rates Johann von Neuburg, Herrn von Rohrbach, ist es zu verdanken, dass Kaiser Friedrich III. unseren Heimatort Haag mit sei­nem besonderen Wohlwollen auszeichnete, indem er ihm das Recht verlieh, am Thomastag (21. Dezember) einen Jahrmarkt und jeden Montag einen Körnermarkt abhalten zu dürfen. Außerdem bestätigte der Kaiser im April 1464 auf die Fürbitte des Johann von Rohrbach und seiner Brüder Georg und Hyronimus Haag als Markt und gewährte gleichzeitig jenen Einwohnern von Haag, die von „alterher margkht und burgerrecht" hat­ten, das Recht, sich Bürger zu nennen.

Die öffentlich-rechtliche Verleihung der Markt- und Bürgerrechte brachte viele Vorteile. Das Marktgesche­hen umfasste zunächst die aus der Landwirtschaft ge­wonnenen Produkte als Bauernmarkt, wie er heute noch ähnlich in Waidhofen an der Ybbs und Steyr abgehalten wird. Das Privileg zum Körnerhandel war den Acker­bürgern (Bürger, die sich nicht hauptsächlich mit der Landwirtschaft beschäftigten und nur nebenbei ein Ge­werbe ausübten) vorbehalten. Sie fühlten sich, wie heute noch, dem Bauerntum verbunden. Ihr Wirtschaften be­steht in der Versorgung der Landbevölkerung mit deren notwendigem Lebensbedarf.

Durch das zugesprochene Bürgerrecht konnte sich eine eigene Bürgergemeinde bilden. Dazu ist im Haager Hei­matbuch von Ernst Werner zu lesen: „Zum Unter­schiede von den Bauern unterstanden nun die Haager Bürger in zivilrechtlichen Fällen nicht mehr dem herr­schaftlichen Gerichte, sondern dem Marktgerichte, dem ein Marktrichter vorstand. Ihn erwählte der Grundherr aus den Reihen der Haager Bürgerschaft und setzte ihn ein. Dem Marktrichter waren die Ablieferung der lan­desfürstlichen Steuern wie der Abgaben an die Herr­schaft, die Beschau von Maß und Gewicht und der Güte der gewerblichen Erzeugnisse anvertraut. Außerdem hatte die Bürgergemeinde das Recht, aus ihrer Mitte den Marktrat zu wählen, der sich wahrscheinlich aus 12 Ratsbürgern zusammensetzte."

Die Markterhebung war - trotz der Bedrohung Haags durch die Hussiten (1422-1437) - eng mit dem Aufblü­hen von Handel und Gewerbe verbunden, und es stellte sich bei den Bewohnern tatsächlich der erwünschte Wohlstand ein.

In dieser Zeit verstärkte sich die Wehrhaftigkeit des jun­gen Marktes. Pfarrer Dietrich von Kölln war es, der im Jahre 1435 das Presbyterium der Kirche und den Turm neu ausbaute. Damit begann der Bau einer Wehrkirche im spätgotischen Baustil; das dreischiffige Langhaus entstand rund dreißig Jahre später. Es dauerte nicht lange und das errichtete Befestigungswerk der Kirche musste im Kampf gegen die Truppen des ungarischen Königs Matthias Corvinus (1485) bezogen werden. Die­se schweren Zeiten für Haag endeten erst mit dem Waf­fenstillstand in der Tettauischen Schanze in Ernsthofen (1488). Der Tod des Ungarnkönigs Matthias (1490) be­freite unsere Bevölkerung gänzlich von den Kriegswir­ren.

Eine bedeutende Rolle als bodenständiger Faktor zwi­schen dem 15. und 17. Jahrhundert hatte für Haag das Hafner-, Weber- und Schneiderhandwerk gespielt, wel­ches über die Ortsgrenze hinaus im Umkreis bis zur Enns-Donau-Ybbs zentrale Zunft-Funktion ausübte.