Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Das Hafnergewerbe

Insbesondere war es das Hafnergewerbe, das zu seiner Entwicklung in Haag einen äußerst günstigen Boden vorgefunden hatte. Die Hafner von Haag besaßen aber auch in dem damaligen Pfarrer und Passauer Kanonikus Christoph von Rohrbach, einem Sohne des Wolfgang von Rohrbach, der auch Klingenbrunn besaß, einen Freund und Förderer ihres Gewerbes. Der Landesfürst gewährte ihnen verschiedene Freiheiten in Bezug auf den Verkauf ihrer Waren, die sie sogar auf oberösterreichi­schen Märkten feilboten. Laut Linzer Tagespost Nr. 2/ 1906 wird auf die Zeitschrift „Kunst und Gewerbe", Heft 11, Jahrgang 1905, Verlag Austria & Comp. in Wien, verwiesen, wonach die Hafner hinsichtlich ihrer Massenfabrikation in Haag die erste Stelle in ganz Nie­derösterreich einnahmen und im 16. Jahrhundert noch das bedeutendste Hafner-Zentrum des Landes bildeten. Kritisch wurde der Absatz nach Oberösterreich, als die Steyrer auch an die Tongeschirrerzeugung herangingen und im erbarmungslosen Konkurrenzkampf den „Häferlkrieg" erklärten. dass es für die Haager nicht leicht war, sich den mächtigen Steyrern gegenüber zu behaup­ten, geht daraus hervor, dass ihnen die Steyrer Hafner sämtliches Geschirr zerschlugen, sooft sie es wagten, ihre Waren (in „Kraxn" tragend) über Steyr nach Ober­österreich zu bringen. Immer wieder beriefen sich die Haager auf ihre landesfürstlichen Freiheiten, die es ih­nen schon vor dem Jahre 1500 erlaubten, ihre Erzeug­nisse auch anderswo zu verschleißen. Alle Beschwerden der Haager blieben in diesem Rechtsstreit vergeblich. Als dann Graf Herbersdorf Landeshauptmann von Oberösterreich wurde, verbot er 1629 den Haagern, in seinem Land mit Geschirr zu handeln, „da durch sol­ches den Handwerksleuten, auch anderen ehrlichen Meistern und Werkstätten das Brot gleichsam vor dem Munde abgeschnitten wird".

Durch das von Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1557 den Haagern zuerkannte Recht, Roheisen aus Innerberg-Eisenerz zu verarbeiten bzw. zu verschleißen, versuchten es einige Haager Bürger, mit dieser Sparte ins Geschäft zu kommen. Leider ohne Erfolg. Um 1600 existierten vier Nadler und Haftelmacher, welche sich steuerlich derart verschuldeten, dass die Finanzlandesbehörde die Steuer­rückstände wegen Uneinbringlichkeit erlassen musste.