Das Handwerksleben im 18. Jahrhundert bis nach der Franzosenzeit
Um 1730, als die gewerbliche Blütezeit abflachte, erfand man die „Spitzenwinkler"-Wanduhren, welche ein Jahrhundert lang gefragt waren und heute noch vereinzelt existieren. Die Rotte Spitzenwinkel gab den Uhren ihren Namen. Aber im großen und ganzen fand man anstelle der aussterbenden Berufe, wie zum Beispiel für die Weber, keine ähnlichen Produktionsgebiete. Umstellungen, Anpassungen an die neue Situation waren erforderlich. Aus dem im Heimatboden lagernden Ton ging man von der Geschirr- auf die Ziegelerzeugung über. Ab 1750 wurden zunächst im häuslichen Nebenerwerb Ziegel getrocknet bzw. gebrannt, bis 1899 ein Ziegelwerk entstand, das heute zu den modernsten der Branche zählt. Mit der Wende des 18. Jahrhunderts — bedingt durch die Franzosenkriege (1792-1810) — blieben für die Haager einschließlich des Dechants Doktor Michael Perschi Tage bitteren Leidens und seelischer Not nicht erspart. Viele Handwerker mussten sich in den Dienst fremder Truppen stellen. Brandsteuern, Plünderungen und Hungersnöte waren die Folgen.
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) ging die Franzosenzeit vorbei; der Friede im Land belebte wiederum die Wirtschaft.