Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Veränderungen im Ackerbau

Mehr als heute wechselten früher auf den Äckern in re­gelmäßiger Folge Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Klee, Rüben und Kartoffeln. Während früher die Felder über­wiegend mit Stallmist und die Wiesen mit Jauche ge­düngt wurden, verwendet der Landwirt von heute hauptsächlich Kunstdünger und erzielt dadurch höhere Ergebnisse.

Nach dem Ersten Weltkrieg lag noch das Schwergewicht bei folgenden Getreide- und Futtermittelarten:

Der Roggen - hierzulande nur als „Korn" benannt - wurde überwiegend auf das vorher abgeerntete Kartof­felfeld gebaut. Der Winterroggen, und das gilt auch für alle anderen Getreidearten, wurde vor rund fünfzig Jah­ren noch händisch gesät. Der Säer bediente sich hierzu des „Saasumpers". Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saatgut bei vielen Bauern maschinell (Sämaschine) gebaut. Mangels geringeren Hektarertrages bei Roggen und durch die Anfälligkeit des „Auswinterns" nahm allmählich die Anbaufläche zugunsten des Win­terweizens ab. Im Jahre 1959 gab es eine Roggenfläche von 342 Hektar bzw. 15,05 Prozent des damaligen Ackerlandes. Zwanzig Jahre später bauten die Haager nur mehr 11 Hektar Roggen an, das sind 0,4 Prozent von der inzwischen um 384 Hektar vermehrten Ackerfläche. Mitte der sechziger Jahre erreichte auch der Weizenbau mit rund 640 Hektar (24% des Ackerlandes) seinen Hö­hepunkt. Man erzielte mit dem Weizen gute Ernte­erträge, und er galt als stabile Einnahmesicherung, so­fern nicht Unwetterschäden dagegen wirkten. Für eine wirksame Steigerung der Milch- und Fleischproduktion wurde schon seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts durch kaiserliche Verordnungen der Anbau von geeig­neten Kleesorten gefördert. Diese bewährten Futter­pflanzen brachten hohe Erträge an Grünfutter und ver­mittelten gute Bedingungen für ausreichende Tierfütte­rung. Inzwischen löste der seit zehn Jahren zur Haupt­frucht gewordene Mais den Futterklee, die Kartoffeln und andere Ackerfrüchte ab; auch die Wiesenflächen reduzierten sich zugunsten des Maisanbaues.

Körner- und Silomais sind eine wertvolle Futtergrund­lage und ermöglichen die vermehrte Tierhaltung. Der Ernteertrag pro Hektar übersteigt jenen der früheren Getreide- und Futtermittelsorten und die gute Möglich­keit der mechanischen Bearbeitung dieser Hackfruchtkulturen ist mit ein wesentlicher Grund für den verstärkten Maisanbau.

Innerhalb von zwanzig Jahren (1959-1979) sank die An­baufläche für Kartoffeln von 305 Hektar auf 63 Hektar (!) und die Fläche der Futterrüben von 91 Hektar auf 10 Hektar ab. Ebenfalls verringerte sich die gesamte Wiesenfläche um 589 Hektar.

Wie die nachfolgende Bodenbenutzungserhebung vom Jahre 1979 aussagt, entfallen vom gesamten Ackerland allein auf den Maisbau 978,23 Hektar (521,87 ha Kör­nermais und 456,36 ha Silomais), das sind 36,83 Prozent der Ackerfläche. Die Sommergerste beansprucht das an­sehnliche Ausmaß von 592,40 Hektar (22,3%), an dritter Stelle rangiert nun der Winterweizen mit 464,23 Hektar (17,4%) und der Hafer weist eine Anbaufläche von 264,64 Hektar (9,96%) auf. Der folgende Auszug aus den Bodenbenutzungserhebungen 1959/1979 soll zei­gen, wie sich allein in einem Zeitraum von zwanzig Jah­ren die wichtigsten Nutzungsarten verändert haben:

1959

1979

Hektar

Winter- und Sommerweizen

606

478

Winter- und Sommerroggen

342

11

Winter- und Sommergerste

160

634

Hafer

330

264

Körner- und Silomais

10

978

Speise- und Spätkartoffeln

305

63

Zuckerrüben

30

28

Futterrüben

91

10

Rotklee

349

150

Wiesen (ein- u. mehrschnittige Flächen)

2110

1521

Wald

780

862

Der Zuckerrübenbau begann im Gerichtsbezirk Haag erstmals im Jahre 1928 mit einer Anbaufläche von insge­samt 70 Joch. Die erforderlichen Spezialisierungen führ­ten bei vielen mittleren und größeren Höfen ab den fünf­ziger Jahren zu einer sichtlichen Veränderung ihrer tra­ditionellen Wirtschaftsführung. Man trifft dort und da Betriebe an, die bis zu 95 Prozent ihrer gesamten Grund­fläche in Ackerland verwandelten und nun diese Fläche bis zu zwei Drittel mit Mais und den Rest mit Sommer­gerste jährlich bebauen (Braunsberg, Schudutz 29). Ver­einzelt gibt es auch Höfe, die vorwiegend nur Maisbau betreiben (Göblitz, Holzleiten 44).

Hinsichtlich des Trends zu den Monokulturen und der Massentierhaltung warnt zum Beispiel Univ.-Prof. Dr. Hans Bach, Leiter der Abteilung für Agrarpolitik der Universität Linz, und meint: „Im heute vorwiegend in­dustriellen Landbau haben wir teilweise die zulässigen Grenzen schon überschritten.