Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Obstbau

Bis in das Frühmittelalter sind die Obstbaumkulturen in unserem Raum nachweisbar. Im Laufe der Jahrhun­derte haben sich bei uns die Mostobstbäume stark ver­breitet. Auch durch kaiserliche Verordnungen wurden Obstbaumpflanzungen entlang von Straßen empfohlen. Man war bei uns sehr bedacht, Wiesen-, Feld- und Stra­ßenraine mit Mostobstbäumen zu säumen. Sie bedürfen keiner besonderen Pflege und gedeihen hierzulande in allen Lagen ziemlich gut. So nimmt es nicht wunder, dass es im 19. Jahrhundert Bauern gab, die bis zu 1000 Obst­bäume auf ihren Gründen gepflanzt hatten. Bis in die fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts brachten das Obst und der Most in guten Erntejahren eine erfreuliche Bi­lanz. Es wurde deshalb im Herbst keine Mühe gescheut, um alles Obst sorgfältig zu sammeln und es dann mor­gens und abends, oft trotz Ermüdung und Zeitmangel, händisch zu Most zu verarbeiten.

Mit der Elektrifizierung der bäuerlichen Wirtschaften wurde das Mostpressen — leider aber nicht die Obstein­bringung — für die an dieser Arbeit Beteiligten wesent­lich rationeller.

Innerhalb der letzten zwei Generationen sind im Obst­bau gegensätzliche Entwicklungen eingetreten. Die stei­gende Nachfrage nach Mostobstbäumen bewirkte noch in den zwanziger Jahren die Neuerrichtung von Obst­baumschulen. Es vergingen kaum dreißig Jahre, und das Blatt wendete sich. Man ging zielstrebig an die Verringe­rung der Apfel- und Birnbäume, wodurch teilweise bis auf ein Zehntel des früheren Bestandes gerodet wurde. Die Gründe hierzu sind vielschichtig und liegen unter an­derem in der Unterbewertung des heimischen Produktes. Inzwischen ist eine neuerliche Trendumkehr be­merkbar. Der Most als Naturgetränk ist wieder im Kommen und außerdem unterstützt die Stadtgemeinde die Obstbaumpflanzung durch fördernde Maßnahmen. Die durchschnittliche Mosterzeugung ist derzeit von Hof zu Hof sehr unterschiedlich. Manche Höfe sind, vom Baumbestand her gesehen, ganz verarmt, andere stemmten sich der Baumreduzierung entgegen. Vor 30 Jahren gab es noch Mosthäuser, die über 1000 Eimer, in Spitzen-Jahren bis über 2000 Eimer Most herstellten. Man geht nicht fehl, wenn man sagt, dass heutzutage die besten Mosthäuser nur mehr höchstens 400 Eimer Most jährlich erzeugen. Ein Großteil des Mostobstes wird für industrielle Verwertung verkauft. Beliebt sind weiterhin gute „Brock"-Apfelsorten. ES gibt einige Höfe, die bis zu 10 Tonnen und darüber hinaus ernten. Daneben sind auch die Zwetschken und die Kirschen in gutem Ruf.

Bleibt dem einen oder anderen Bauern zuviel Most im Keller übrig, dann wird er zu Schnaps („Obstler") ge­brannt. Bei ergiebigen Zwetschkenernten wird dieses Produkt teilweise durch die Hausbrennerei in den stets gefragten „Zwetschkernen" verwandelt.