Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Molkereifiliale Haag

Noch in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts haben die meisten Bauern ihre von den Kühen gewon­nene Milch selbst entrahmt und daraus Butter erzeugt. Die nicht bäuerlichen Haushalte holten sich die Milch und die Butter selbst vom Landwirt ab oder kauften sie direkt beim Marktlieferanten.

Mit der Gründung von Milchsammelstellen durch Pri­vate (wie z. B. Weigl in Knillhof) oder durch die Genos­senschaften ging die hauseigene Buttererzeugung zurück und der Einzelverschleiß vom Erzeuger zum Konsumen­ten hörte allmählich auf.

Die Molkereigenossenschaft in Aschbach — sie bestand seit 1919 — bemühte sich im Herbst 1924 um einen ent­sprechenden Interessentenkreis von Haager Milchbau­ern zur Errichtung einer Milchsammelstelle in Hochwall auf genossenschaftlicher Basis. Das rege Interesse für die Milchlieferung bewirkte die Zeichnungsfreudigkeit einer Bauanleihe von 135,000.000 Kronen durch die neuen Genossenschaftsmitglieder. Die in der starken In­flationszeit neugebaute Filiale kostete samt der maschi­nellen Einrichtung 358 Millionen Kronen. Am 1. März 1925 wurde die Filiale in Betrieb genommen. Immer mehr Landwirte schlossen sich der Genossenschaft an. Durch die Einbeziehung umliegender Gebiete aus Strengberg, Haidershofen, St. Johann und Weistrach zählte diese Liefergemeinschaft im Jahre 1937 fast 500 Mitglieder. Zu dieser Zeit erhielt der Bauer rund 25 bis 27 Groschen pro Liter. Im Jahre 1981 lag der Literpreis je nach Fettgehalt bei 4 S.

Die Milch wurde täglich am Morgen zur Zweigstelle ge­bracht, gewogen, nach der Qualität geprüft, gereinigt, tiefgekühlt und dann in 15.000 Liter fassenden Tanks nach Aschbach befördert. Ein Teil der Milch wurde in Haag entrahmt, die Magermilch den Bauern zum Schweinefüttern zurückgegeben. Der Rahm wurde nach Aschbach gesandt und dort verarbeitet. In den dreißiger Jahren waren in der Filiale neben dem Betriebsleiter drei Arbeiter und eine Frau beschäftigt.

Die Zweigstelle unterhielt auch durch viele Jahre eine Eiersammelstelle. Vier von der Molkereileitung bestellte Eiersammler brachten zeitweise täglich 12.000 bis 13.000 Eier auf. Die Filiale lieferte sie nach Aschbach weiter. Die tägliche Menge der von den Fuhrwerken nach Hochwall gebrachten Milch betrug zur Zeit der Grün­dung, also im Frühjahr 1925, etwa 2000 Liter und stieg von Jahr zu Jahr, 1926 auf 50001, 1930 auf 11.0001, 1934 auf 15.000 1 und im Mai 1937 erreichte sie 20.000 1. In den Nachkriegsjahren steigerte sich weiterhin die Milch­anlieferung. Das beste Ergebnis seit 1925 brachte das Jahr 1970; es erreichte eine durchschnittliche Tagesan­lieferung von rund 38.000 1! Durch die Verringerung der Lieferanten von 575 im Jahre 1970 auf 320 im Jahre 1980 — bedingt durch die Abnahme der Milchkühe, siehe Viehstatistik — fiel die Tagesanlieferung bereits bis auf die Tagesmenge des Jahres 1937 mit rund 20.500 1 ab. Dieser Rückgang an Milch machte den Filialbetrieb un­rentabel und führte 1981 zur Betriebseinstellung. Seither wird die täglich vom Hof abzuholende Milch direkt mit Lkw in Tanks bzw. Kannen zur Zentrale nach Aschbach gefahren.

Abschließend die Reihe der betriebsverantwortlichen Personen:

Betriebsleiter im Zweigbetrieb Haag:
Albrecht Richter (1925-1945),
Franz Nemetz (1945-1973)
und Alois Grissenberger (1973-1981);

Direktoren in der Zentrale Aschbach:
Otto Gutschmid (1919-1931),
Dr. Dipl.-Ing. Erwin Bilzer (1931-1938 und 1945-1964),
Dipl.-Ing. Heinrich Frühwald (1938-1941),
Dipl.-Ing. Karl Horak (1941-1945)
und seit 1. August 1964 Dipl.-Ing. Hans Rappold;

die Obmänner der Genossenschaft:
Johann Fehringer (1919-1938),
Ing. Wilhelm Kissely (1938-1945),
ÖR Franz Mayrhofer (1945-1961),
Johann Fehringer (1961-1977)
und Koloman Illich ab 1977.

Die in dieser Abhandlung aufgezeigten Veränderungen in der Landwirtschaft erfassten gleichartig das ganze Bundesgebiet. Die eingetretene Abwanderung von Er­werbstätigen setzte sich auch in den letzten zwei Jahr­zehnten weiter fort. So gab es 1951 in Österreich noch 1,080.000 Erwerbstätige in der Landwirtschaft, während 1979 diese Zahl auf 626.055 gesunken war. Trotzdem ist die Produktivität in der Landwirtschaft stärker ge­stiegen als zum Beispiel in der Industrie.

Durch den Fleiß der Landwirte sowie durch verbesserte Bewirtschaftungs- und Fütterungsmethoden konnte ein Beschäftigter in der Landwirtschaft 1979 zweiundzwan­zig Personen ernähren, während es im Jahre 1951 nur acht Personen waren.