Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Erntemaschinen

Noch Mitte der zwanziger Jahre wurde das Getreide überall mit der Sense abgeerntet. In der Folgezeit kamen die Mähmaschinen, zuerst als Grasmähmaschinen, auf den Markt. Die Besitzer — wie zum Beispiel „Hansbauer" und „Mayr z'Hochwall" in Krottendorf — hatten im Jahre 1928 zum Wiesenmähen diese Maschinen und nützten sie um 1930 auch zum Getreideschnitt. Diese Mähgeräte entwickelten sich rasch von der selbsttätigen Ablegevorrichtung über den Mäher mit Garbenbindevorrichtung, auch Binder genannt, hin zum Mäh-Dresch-Binder. Das Abernten aller Getreidearten mit dem Mähdrescher setzte erst richtig nach 1960 ein. Ab dieser Zeit verschwanden die Getreidemandln auf dem Felde und die über siebzig Jahre im Betrieb befindlichen Dreschmaschinen, die von den „Dampfkesseln" ange­trieben wurden, kamen allmählich außer Betrieb. Der Maschinendrusch gehörte zu den arbeitsintensivsten Höhepunkten im Arbeitsablauf eines Bauernjahres. Er war auf eine traditionelle Nachbarschaftshilfe aufge­baut, denn man brauchte beim maschinellen Dreschen 12 bis 20 vollwertige Personen. Die für fachliche Bedie­nung der Dreschanlage erforderlichen Arbeiter, wie Hei­zer und Maschinisten, kamen aus dem Kleinlandwirtestand, waren für die ganze Druschsaison von ca. drei Monaten fix engagiert und wanderten so von Hof zu Hof, bis alle zur Druschgemeinschaft gehörigen Betriebe ihre Ernte ausgedroschen hatten.

Die rasche Fortentwicklung der Erntemaschinen, die wohl viele frühere Arbeitsvorgänge vereinfachte, brach­te folglich auch finanzielle Probleme mit sich. Die Ma­schinenringe, die einen rationellen Einsatz ermöglichen, setzten sich bei uns noch nicht voll durch. Für den Ein­zelerwerb großer Maschinen benötigt man viel Kapital, das dann für andere notwendige Investitionen fehlt. So verlangt die Technik vom einzelnen Besitzer einen ho­hen Betriebsaufwand, zumal das bäuerliche Einkommen derzeit gegenüber anderen Berufsgruppen stark nach­hinkt und mit der industriellen Preisbildung für land­wirtschaftliche Maschinen arg zu kämpfen hat.

Weil aber die Einkommensverbesserung überwiegend über den Produktivitätsanstieg durch die Mechanisie­rung erzielbar ist, haben bisher die Agrarier diesen Weg beschritten. Der Einfluss intensiver landwirtschaftlicher Beratung war dabei mitentscheidend. Die folgende Übersicht über den Maschinenpark gibt ein deutliches Bild des technischen Fortschrittes in der Landwirt­schaft.

Das Bild sieht in konkreten Zahlen so aus:

1950

1957

1966

1972

1977

Traktoren

16

285

507

576

588

Motormäher

6

16

38

64

90

Anhänger

174

331

562

654

618

Heuerntemaschinen

276

407

476

432

485

Ladewagen

0

0

114

254

260

Kartoffelroder

116

212

271

268

216

Dreschmaschine

76

61

6

0

0

Mähdrescher

0

0

94

120

131

Greiferanlagen

218

232

266

242

196

Gebläse u. Häcksler

36

76

168

254

300

Zwischen Ende 1937 bis Anfang 1939 versuchten schon einige Bauern anstelle der Pferde, Traktoren zum Zuge zu verwenden. Anfangs war man gegen diese Umstel­lung und meinte, ganz ohne Roß - man müsste zumin­dest eines behalten - lassen sich nicht alle Zugarbeiten bewältigen. Lediglich Franz Wiesinger, Fadlhof, Edel­hof 9, getraute sich als erster Bauer im Frühjahr 1939, seine beiden Pferde gegen einen Traktor (Marke Lanz-Allendorf, 22 PS, luftbereift) „einzutauschen".

Wie die Statistik ausweist, hielt sich der Pferdebestand bis zum Jahre 1950 ziemlich konstant. Erst ab dieser Zeit trennte man sich dann rasch von den Zugpferden. Ergänzend wird festgehalten, dass der Nachbar des Vor­genannten, Josef Geiblinger, Fadlhof, Edelhof 6, sich bis zum Jahre 1979 von seinen Zugtieren nicht trennen konnte und so als letzter Pferdehalter anzusehen ist. Aus dieser Tabelle ist zu entnehmen, dass sich der Ma­schinenbestand nach 1972 nicht mehr viel änderte; man­che Maschinen wurden sogar weniger. Lediglich die Heuerntegeräte, hierzu zählen auch die Gebläseanlagen, vermehrten sich zwischen 1972 und 1977 noch merklich.