Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Die Feld- und Heuarbeit

Noch während der Zwischenkriegszeit hielt sich der Ackeranteil mit den Wiesenflächen von je vierzig Prozent der gesamten Bodenbenutzungsfläche von Haag die Waage. Vierzehn Prozent entfielen auf Waldgrundstücke und der Rest von sechs Prozent auf sonstige Flächen.

Die Feldarbeit beginnt seit ehedem mit den ersten Früh­jahrstagen und endet kurz vor dem Wintereinbruch. Mehr als früher werden nun die Sommergetreidearten bevorzugt. Es sind dies jene Futtermittelsorten, deren Saat nicht im Herbst, sondern erst im Frühjahr in den Ackerboden gelangt. Als Wintergetreide hat lediglich der Weizen nicht allzuviel an Anbaufläche verloren. Da­gegen starb der Roggen im Haager Gebiet bereits aus. So hat sich auch die seinerzeitige Getreideerntearbeit, die Schnittzeit, zeitlich verändert. Begann doch allerorts der Schnitt anfangs Juli mit dem Winterroggen — denn „Kilian führt die Schnitter an" oder „Zu Kilian schneid't jedermann -, dem dann in der Regel nach zwei bis drei Wochen die Weizenernte folgte; dies trifft heute nicht mehr zu. Erstens wird nicht mehr „geschnit­ten", wie früher mit der Sense, sondern in einem Vor­gang gemäht und gedroschen, und zweitens verschiebt sich wegen des Zuwartens bis zur Todreife das Abernten mit dem Mähdrescher um einige Wochen. Weil sich nun der Körner- und Silomaisbau seit rund zwanzig Jahren stark einbürgerte, verlagert sich anteilsmäßig die frühere Schnitt- und Druschzeit vom Sommer um die nunmehri­gen Maisbauflächen auf den Herbst. Der Silomais wird Ende September bis anfangs Oktober, der Körnermais manchmal erst in den Novembertagen abgeerntet.

So wie vor mehreren Generationen bleibt man in der Regel bei uns weiterhin bei der Stallfütterung, das heißt, dass die Rinder tagsüber nicht auf den Wiesen weiden. Daher werden die Wiesen gemäht und das Futter — in der Vegetationszeit vorwiegend Grünfutter, in der übri­gen Zeit Heu und Silofutter — wird den Tieren in den Stall gebracht.

Für die Schweinemast hatte man bis in die siebziger Jahre noch relativ viel Kartoffel verwendet. Anstatt wie es früher üblich war, die Kartoffeln nach der Ernte im Keller zu lagern, hatten in der Nachkriegszeit viele Be­triebe die für Futterzwecke gedachte Menge im Herbst gedämpft und in eigenen Silos aufbewahrt. Im Jahre 1970 gab es noch 120 Betriebe mit Kartoffelsilos (Fas­sungsraum je 20m³). Inzwischen liegen sie mangels Kartoffelanbau brach. Dafür nehmen die Gärfutterbehälter zu. Die Hochsilos für die Silage haben einen Fas­sungsraum bis zu 100m³. Es vermehren sich inzwischen die Fahrsilos aus drei Überlegungen:

  1. niedrigere Baukosten als bei den Hochsilos
  2. leichter zum Füllen und
  3. besser zum Verdichten des Futters

Man fährt mit einem Traktor im Silo über das einsilierte Futter und erwirkt dadurch eine dichtere Lagerung. Der Landwirt Johann Lichtenberger, Samhub, Haag, Reich­hub 11, hat zum Beispiel fünf Silos zu je 50, vier Silos zu je 100 und einen Fahrsilo mit 790 Inhalt. Diese Betonriesen werden überwiegend für die Maiskonservierung zur Tiermastfütterung ver­wendet.

Bei vielen Höfen wird ein Teil des Wiesengrases einsi­liert. Es ist dies ein ziemlich rascher Arbeitsvorgang, denn nach einem kurzen Vortrocknen des gemähten Grases erfolgt die Lagerung im Silo. Dadurch verringert sich der Heuernteanfall und man ist in unserer regenrei­chen Region in dieser Hinsicht weniger auf anhaltende Sonnentage angewiesen.

Neben den Heuwendemaschinen und den Gebläse- und Greiferanlagen ist der Ladewagen, der das Gras oder das Heu durch den Traktorantrieb lädt, als wesentliche Arbeitsvereinfachung hervorzuheben. Welche Prozedur war seinerzeit das Heuen — angefangen vom händischen Mähen — das Zerstreuen der Heumahd, das Umkehren (= Wenden), das „Scheubelrechen" und das „Schöbern". Am zweiten Tag folgte das „Schöberzstrahn" (= Zerstreuen), nochmaliges Wenden, dann das „Heuzsammtuan" (= Zusammenschieben und Auf-rechen) zu großen Zeilen, bis es schließlich zum „Fachtlfaßn" (= Heuladen) kam, wozu bei größeren Wiesenflä­chen vier bis sechs Personen nötig waren (zwei Personen zum Aufgeben, weitere zwei Personen zum Fassen und ein bis zwei Personen mussten nachrechen). Hierzu ka­men vielfach die „Togwerer" (= Tagwerker, Taglöhner) dem Bauern zu Hilfe.