Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Die Dienstboten

Anfangs des 20. Jahrhunderts waren annähernd 50 Pro­zent der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirt­schaft beschäftigt. Inzwischen sank der Anteil öster­reichweit bis auf neun Prozent. In die Zeitspanne unse­rer Rückschau fällt die Chance zur eigenen Hausstandsgründung für die nicht selbständige Bevölkerung. Dies ermöglichte einerseits der technische Fortschritt, der die landwirtschaftliche Handarbeit durch den Maschinen­einsatz ersetzte, und andererseits fanden die in der Land­wirtschaft frei werdenden Kräfte nun im gewerblichen und industriellen Bereich günstigere Arbeits- und Ver­dienstmöglichkeiten vor. Der Umstellungsprozeß wurde ab 1938 durch die stark forcierte Rüstungsindustrie be­schleunigt. Damit setzte die erste Landflucht ein, die sich aber nach dem Krieg durch die allgemein gute Be­schäftigungslage infolge des Wiederaufbaues noch stei­gerte.

Zufolge der gemeindeamtlichen Aufzeichnung über die sozialversicherten Dienstnehmer in Haag gab es vor 47 Jahren (1935) 687 landwirtschaftliche Dienstnehmer. Die fehlende Arbeitskraft, die durch die Kriegsdienstlei­stung der Männer entstanden ist, wurde zwischen 1939 und 1945 von 494 Kriegsgefangenen (Polen, Russen und Franzosen) ersetzt. Im Jahre 1955 betrug der Versicher­tenstand 251 Personen. Seither verringerten sich Jahr für Jahr die familienfremden Arbeitskräfte; 1981 gab es in Haag nur mehr einige Dienstboten.