Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Die manieristische Bauphase

Am 3. Februar 1637 Schloss Georg Siegmund von Sal­burg mit dem kaiserlichen Baumeister Markus Martin Spatz in Linz einen Vertrag über die Errichtung der neuen Trakte des Schlosses, die, wie den Rechnungen zu entnehmen ist, bereits 1640 vollendet gewesen sein müssen) Georg Siegmund von Salburg ließ also das Schloss in den dreißiger Jahren des 17. Jh.s um eine weitere Hofanlage vergrößern, indem er dem bereits vorhandenen Schloss im Ostteil drei zweigeschossige Trakte hinzufügte. Diese umschließen nun den sogenannten Inneren Hof. Der Osttrakt, durch dessen mächtiges Tor man in den Hof gelangt, wird an den Ecken von zwei vorkragenden, im Grundriss nahezu quadratischen Türmen flankiert. Je­der dieser Türme war ursprünglich mit Pyramidendach, Laterne und zwiebelförmigem Abschluss gedeckt (Abb. 3).

Diesen Zustand zeigt die älteste erhaltene topographi­sche Ansicht von Salaberg, ein qualitätsvolles Ölgemäl­de aus der Mitte des 17. Jh.s, das sich im Schloss erhalten hat. Um die Mitte des 19. Jh.s erfolgte durch Weglas­sung der Laterne eine stilistisch verunklärende Vereinfachung der Dachform. Als architektonisches Gegenge­wicht zu diesen beiden Türmen wurde dem Osttrakt des Renaissanceschlosses, der ja zugleich Westtrakt des In­neren Hofes ist, ein Dachreiter als Uhrturm aufgesetzt. Hier hat sich die originale Form der Deckung mit Hau­bendach, Laterne und Zwiebelbekrönung unverändert erhalten.

Dieser Uhrturm (Abb. 4) liegt in der Achse eines bemer­kenswerten Tores, dessen rechteckige Öffnung durch ei­nen Pfeiler aus Rustikaquadern auf zwei gleich große Türen (Flügel im Original erhalten) aufgeteilt wird. Bei­de führen aber in denselben Durchgangsraum zum Arkadenhof, der nun durch das Einsetzen des Mittelpfei­lers mit dem Wagen nicht zu erreichen ist. Durch eine solche Gestaltung des Tores wurde eine in der damali­gen Zeit moderne, wenn auch selten verwendete Lösung realisiert. Den unmittelbaren Vergleich liefert eine Gruppe nur wenig älterer venezianischer Paläste; unter ihnen wäre der Palazzo Morosini a S. Canciano vom Anfang des 17. Jh.s besonders hervorzuheben» Hier wie dort finden sich außer dem erwähnten Mittelpfeiler auch die mit Maskerons dekorierten keilförmigen Schlußsteine über jeder Tür. Man kann wohl annehmen, dass diese venezianische Torlösung hierzulande durch graphische Vorlagen bekannt wurde.

Dieser neue Hof, dessen Grundriss einem regelmäßigen Rechteck entspricht, ist sehr viel größer als der Arkadenhof. Die äußere Front des Renaissancehofes geradli­nig fortsetzend und ältere Fortifikationsmauern mitverwendend, verläuft die Außenmauer des Nordtraktes. Die ehemalige Befestigungsanlage der Südseite ist hinge­gen in der Hoffassade des Südtraktes enthalten. Der südliche Baukörper ist also gegenüber dem älteren Schloss nach außen verschoben. Als Verklammerung der beiden Südtrakte wurde bereits in dieser Bauphase, nämlich in den dreißiger Jahren des 17. Jh.s, ein vorkra­gender Saalbau angelegt.

Bei den eben abgeschlossene Restaurierungsarbeiten des Festsaales, der bisher immer als einheitlicher Bau des späten 17. Jh.s gegolten hatte, hat sich erwiesen, dass der ursprüngliche Raum — wie eine Baunaht zeigt — spä­ter in seiner Längserstreckung nahezu verdoppelt und auch erhöht wurde. Betrachtet man den Grundriss des Erdgeschosses, so kann man das Ausmaß des ersten Saalbaues, das sich mit dem der darunterliegenden Halle gedeckt hat, klar erkennen. Die an die Halle anschlie­ßende offene, mit Tuffstein und gemaltem Muschelde­kor ausgestaltete Grotte ist erst anlässlich der Saalerwei­terung im späten 17. Jh., bei der man den Halsgraben völlig überbaute, hinzugefügt worden.

Eine vermauerte Tür in der nordwestlichen Ecke des Saales, die ehemals die Verbindung vom alten zum neu­en Schloss herstellte, ist während der Instandsetzungsar­beiten zum Vorschein gekommen. Besonders interessant war die Entdeckung einer Dekoration, die aus einer ge­malten Sockel- und Frieszone sowie aus Fensterleibungen besteht, die in das System einbezogen sind.

Diese manieristische, in bunten Farbtönen gehaltene Malerei zeigt in der Sockelzone einen Rapport von Akanthusranken mit Maskerons und symmetrisch ange­ordneten Adlern, dazu korrespondierend einen Fries mit Putten und Adlern. Die Felderbegrenzung durch gerad­linige, faszesartige marmorierte Bänder bildet auch die Rahmung für die Medaillondekoration in den Fensterleibungen. Das heutige Erscheinungsbild des Festsaales wird jedoch durch die Neugestaltung unter Franz Ferdi­nand von Salburg geprägt und daher erst später bespro­chen.

Der nur 3,50 m tiefe, aber fast 30 m lange Nordtrakt des Inneren Hofes birgt im gesamten ersten Stock die Por­trätgalerie. Ursprünglich erhob sie sich über einem offe­nen Arkadengang, der aber später vermauert wurde. Als künstlerischer Bestand der Ausstattung aus dem zweiten Viertel des 17. Jh.s ist heute noch ihre reich floral bemal­te Holzbalkendecke erhalten. Sehr ähnliche Balkendecken sind übrigens auch für den zweiten Stock des Nord­traktes des Renaissanceschlosses gesichert.

Über das Aussehen der Schlossanlage nach der ersten Er­weiterung im 17. Jh. geben zwei topographische Ansich­ten Aufschluss. Neben dem Kupferstich G. M. Vischers von 1672 hat sich eine besonders umfassende Darstel­lung in dem bereits erwähnten Ölbild erhalten, das um die Mitte des 17. Jh.s zu datieren ist und aus einer Serie topographischer Ansichten Salburg'scher Besitzungen stammt. Hier ist nicht nur Salaberg selbst, sondern auch dessen weitere Umgebung mit dem Markt Haag wieder­gegeben. Eine Legende der dort dargestellten und nume­rierten Objekte trägt zur genauen Kenntnis der Anlage mit allen Nebengebäuden - wie etwa dem Meierhof und dem Verwalterwohnhaus - bei.

An der zweitürmigen Ostfassade des Schlosses erkennt man deutlich das große rundbogige Portal mit dem klei­nen Gehtor daneben und dem Doppelfenster darüber —so wie es sich bis heute erhalten hat. Auch die Fassaden­gestaltung ist im wesentlichen bis heute gleichgeblieben. Die schlichte Gliederung der glattgeputzten, gekalkten Fassadenflächen besteht aus in Naturputzfarbe gehalte­nen geritzten Eckquaderungen und farblich analogen Horizontalbändern. Das Schloss ist durch Schildmauern und Wehrtürme befestigt. Der Tiergarten war, wie das Ölgemälde zeigt, bereits im 17. Jh. an seinem heutigen Platz westlich des Schlosses vorhanden.

Vom kunsthistorischen Standpunkt ist die präzise dar­gestellte Gartenanlage im Süden des Schlosses überaus interessant. So erfahren wir nämlich, dass Georg Sieg­mund von Salburg einen weitläufigen Lustgarten (im Bild bezeichnet mit Nummer 2) hatte anlegen lassen. Eine umzäunte, vielfach mit Bäumen bewachsene Gar­tenanlage hebt sich von den angrenzenden Wiesen und Feldern ab. In der Mitte befindet sich, parallel zum Schlossgebäude, der rasterartig gegliederte Ziergarten. Dieser wird durch Hecken und die Toranlagen an der Querachse vom Obstgarten getrennt.

Viele stilistische Merkmale, die den Lustgarten als ma­nieristische Anlage erkennen lassen, kann man diesem Bild entnehmen. Es sei besonders auf die vom Schloss abgewandte Lage sowie auf die beiden Brunnen mit ih­ren polygonalen hohen Becken und den aufragenden, die Vertikale betonenden Mittelteilen hingewiesen. So gestaltete Gartenanlagen sind vor allem in Italien im 16. Jh. zu finden. Nördlich der Alpen blieb das künstleri­sche und stilistische Gedankengut des Manierismus län­ger erhalten. Dieser Garten sollte aber schon bald, näm­lich bereits in der nächsten Generation des Salburg, einer barocken Anlage weichen.