Bausteine zur lebendigen Gemeinde
Die lebendige Gemeinde braucht viele geistige Bausteine, denn Leben kommt vom Geist und wird vom Geist bestimmt. Zwei dieser Bausteine sind für unser Pfarrleben wesentlich geworden.
1. Rom — Rocca di Papa, und 2. unsere Wallfahrten Zu 1.: Die Verbindung mit Rom ist in Haag eine alte Tradition. Gottfried v. Dreger, Pfarrer und Dechant von Haag, hat 1830 eine Beschreibung über seine Romreise herausgegeben. Pfarrer Reichhardt war, bevor er hierher als Pfarrer kam, Rektor des Österreichischen Kollegs „Anima" in Rom. Dechant Höllrigl und Msgr. Pragerstorfer vermerken ihre Rombesuche in der Pfarrchronik als besondere Ereignisse.
Was aber hat nicht nur den Pfarrer, sondern auch den Pfarrgemeinderat bewogen, diese Tradition seit 1972 im verstärkten Ausmaß fortzusetzen? Meine persönlichen Erlebnisse im Heiligen Jahr 1950 bei einer Pilgerreise mit dem Fahrrad haben sicher die Liebe zur Stadt der Apostelfürsten geweckt — der Beweggrund, viele aus der Pfarre für Rom zu begeistern, war aber ein anderer, und zwar die von P. Lombardi gegründete „Bewegung für eine bessere Welt" mit ihren Kursen in Rocca di Papa, hoch droben über dem Albanersee. Die Grundideen dieser Bewegung haben uns angezogen. „Die Zukunft gehört denen, die fähig sind, Impulse der Hoffnung und des Lebens zu geben. Die Kirche der Zukunft muss fragen und diskutieren, Strukturen ändern und im Da-Sein für alle sich bewähren; den Menschen von heute Wege aufzeigen, aus Glaube, Hoffnung und Liebe an den Mitmenschen zu handeln und eine nüchterne, opferbereite Frömmigkeit entfalten." — „Die Stunde einer neuen Grundhaltung hat für uns Christen geschlagen. Gekennzeichnet durch einen größeren Unternehmungsgeist, einen größeren Wagemut." „Die Brüderlichkeit ist der große Weg für die Rettung der Menschheit. Die Kirche soll diese Liebe und Brüderlichkeit verkünden und vorleben."
Für uns waren diese Sätze keine leeren Phrasen, sondern Anfang vieler Impulse. 1972 fuhren 15 Haager als erste Gruppe. Bis 1982 sind es inzwischen 643 Personen geworden, die, unmittelbar von Haag aus geworben, durch unsere Initiative die Ewige Stadt und die Kursgemeinschaft in Rocca di Papa erlebt haben. Viel Energie und Begeisterung haben diese Anfänge gekostet — jede Enttäuschung hat zu neuer Hoffnung angeregt. Für uns alle ist die Begegnung mit dem Papst, die oft sehr persönlich war, ein Eindruck fürs Leben geworden.
Diese Gedanken sind sicher jedem geblieben: dass Kirche lebendig ist durch jeden einzelnen, dass uns im Papst nicht nur ein Oberhaupt geschenkt ist, sondern die sichtbare Einheit unserer Kirche dargestellt wird.
Zu 2.: Unsere Fußwallfahrten, die wir nicht als großartige Glaubensbeispiele sehen wollen, sondern einfach als Zeichen der inneren Verbundenheit mit unserem Schöpfer und des zutiefst Abhängigseins von IHM im praktischen Leben. So ist 1966 aus einem zuerst fast belanglosen Gespräch, durch die Initiative von Herrn Öllinger, Herrn Grubbauer, Herrn Schwaiger und Herrn Forstmayr eine alljährliche Männerwallfahrt auf den Sonntagberg entstanden. — Ebenso wallfahrtete Frau Juliane Kreismayr 1968 das erstemal mit einigen Frauen zu Fuß auf den Sonntagberg. Daraus wurde die alljährliche Wallfahrt der Frauen zu Christi Himmelfahrt mit bis zu 100 Teilnehmern. — Besonders aber schätzen wir alle unsere althergebrachte Familienwallfahrt nach Ernsthofen im Herbst jeden Jahres, die bis zu 300 Teilnehmer zusammenführt. — Die großen Wallfahrtsziele hin zu den geschichtlichen Stätten, die uns in die Völkergemeinschaft und Kirche unserer Nachbarländer hineinbinden, nehmen wir bei unseren Pfarrfahrten wahr. Vier Zielpunkte schufen aus jeder dieser Fahrten ein bleibendes menschliches Erlebnis: Die Fahrtgemeinschaft, gefestigt im gemeinsamen Gottesdienst und Gebet, das Einbeziehen vieler kultureller Werke des christlichen Abendlandes, die vielen Formen interessanter Landschaften und die Eigenprägung des einzelnen Wallfahrtsortes.
1970, nach der Renovierung der Kirche, führte uns — wie konnte es auch anders sein — unsere erste Pfarrfahrt nach Bamberg", der Stadt, die unserer Pfarre von den Wurzeln her und ihren Bindungen durch die Jahrhunderte am nächsten stand, mit dem Wallfahrtsziel: Vierzehnheiligen.
1971: Kaiserdome am Rhein, Wallfahrtsziel: Maria Laach.
1972: Der unserer Kultur nahestehende Osten, Wallfahrtsziel: Tschenstochau.
1973: Verona — kulturelle Verschmelzung von Norden und Süden, Wallfahrtsziel: Madonna della Corona. 1974: Ravenna — Schnittpunkt Ost- und Westrom, Wallfahrtsziel: Maria della Salute.
1975: Heiliges Jahr — Rom.
1976: Die Mariengnadenstätte, die der Pfarrgemeinde durch viele Kapellen (u. a. Erholungsheimkapelle) und Nischen in den Bauernhäusern besonders seit 1858 verbunden ist: Maria Lourdes.
1977: Rom
1978: Tschenstochau
1979: Maria Lourdes
1980: Straßburg, Wallfahrtsziel: St. Odilien.
Unsere Ziele schließen sich mit dem größten Wallfahrtsziel des Abendlandes — dem Heiligen Land. Im vorigen Jahrhundert pilgerte bereits ein Haager im Jahre 1857 (Franz Gerstmayr, Reichhub 3) zu Fuß dorthin. Wir, zweiunddreißig Haager mit ihrem Pfarrer, konnten also auch hier eine alte Tradition aufgreifen, den Stätten des Evangeliums, das heißt den Spuren Jesu nachfolgen und damit die Freude am eindrucksvollsten erleben, die jede Pilgerfahrt und Wallfahrt mit sich bringt, die Freude, die aus dem Wissen kommt, der HERR IST ES und seine Mutter, die uns im Leben begleiten.