Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Unsere Bürgermeister

Die geschichtliche Entwicklung Haags bis in das 19. Jahrhundert herauf ist unter den Themen „Haager Frühgeschichte" und „Vom Bauernmarkt zum gewerblichen Zentrum" ausführlich behandelt worden.

Mit Josef von PACHNER erhielt Haag 1850 den ersten Bürgermeister. Dessen Vorfahre, Elias Pachner, war um 1667 Landgerichtsverwalter und Pfleger von Burg Enns. Er wurde durch Leopold I. geadelt. Bürgermeister Pachner verwaltete das Markt- und das Landgebiet, also die ganze Gemeinde Haag. Damit begann eine ununterbrochene Aufwärtsentwicklung. Das geschlossene Marktgebiet wurde durch ständige Neubauten erweitert.
Große bauliche Veränderungen erfuhr Haag unter Bürgermeister Ferdinand BACHMAYR (1861-1892). Im Jahre 1860 war die Westbahn von Wien bis Salzburg fahrbereit. Haag erhielt den großen Bahnhof in Hochwall und auf Drängen Bachmayrs 1878 eine Haltestelle nördlich des Marktes. Durch seine Initiativen hat Bürgermeister Bachmayr mitgeholfen, dem Markt wirtschaftlichen Aufstieg und Impulse zu verleihen.

Die Bautätigkeit hielt auch um die Jahrhundertwende weiter an. Es war Dechant Johann Ev. HÖLLRIGL, der viel zur Umgestaltung des alten Marktes beigetragen hatte. Zur weiteren Ortsvergrößerung trug auch der Ankauf von pfarrlichen Baugründen wesentlich bei.

An dieser Entwicklung hatte neben Bürgermeister Josef WAGNER (1892/93) besonders Bürgermeister Josef AIGNER (1893-1902) großen Anteil. Bürgermeister Aigners Verdienste sind die Kanalisierung des Marktes, der Bau der „Jubiläums-Versorgungsanstalt" mir Lourdes-Kapelle, die Errichtung der Wasserleitung mit einem Reservebehälter in der Höllriglstraße und der Baubeginn des Gerichtsgebäudes. Letzteres wurde während der ersten Amtszeit von Bürgermeister Rudolf WEISS (1902-1907) im Jahre 1903 vollendet.

Von 1907 bis 1919 war Johann KAISERREINER Bürgermeister des Marktes. Unter ihm wurde die Einleitung der elektrischen Beleuchtung und die Errichtung des Telefonnetzes begonnen. Industrialisierungsversuche in Haag schlugen fehl! Nur der Ziegelerzeugung war Erfolg beschieden.

Bürgermeister Josef NAGELSTRASSER führte die Gemeinde von 1919 bis zur Teilung in eine Markt- und eine Landgemeinde im Jahre 1922 und war dann bis 1939 der Vorstand der Landgemeinde Haag. Nach der zweiten Amtszeit des Altbürgermeisters Rudolf WEISS (1922-1924) übernahm Stefan STRÖBITZER die Geschäfte des Bürgermeisters der Marktgemeinde bis zum Zusammenschluß beider Gemeinden im Jahre 1938. Die Zwischenkriegszeit, die durch unstabile politische Verhältnisse und durch wirtschaftliche Krisen geprägt war, stellte die amtierenden Bürgermeister oft vor schwer lösbare Aufgaben. Trotzdem gelang es, das Jubiläumsjahr 1932 — 900 Jahre Pfarre, 500 Jahre Markt — mit einer Stadterhebungsfeier zu krönen.

Infolge der NS-Zeit kam es zur Zusammenlegung der seit 1922 getrennten Gemeinden Stadt und Land Haag.

Bürgermeister Stefan Ströbitzer führte die wiedervereinigte Gemeinde mit viel Geschick durch eine sehr unruhige Zeit bis Kriegsende.

Nach dem unseligen Zweiten Weltkrieg wurde im Anschluß an die Wahlen vom 25. November 1945 Franz STURM zum Bürgermeister gewählt. Die in der zurückliegenden Krisenzeit bewährte Einheit zwischen Stadt und Land blieb weiterhin unangefochten. Neben den Erschwernissen der fremden Besatzung war für Bürgermeister Sturm die Wohnungsfrage ein vorrangiges Problem. 1948 kam es deshalb zur Gründung einer Siedlergenossenschaft.

Die „Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Amstetten" war die erste federführende Einrichtung dieser Art in Stadt Haag, die 76 Wohnungseinheiten errichtete. So entstanden seit den fünfziger Jahren 46 Siedlungshäuser im Bereich der Josef-Wagner-Straße, Siedlungsstraße und Anton-Bruckner-Straße. Die Stadtgemeinde bot der GWSG im Bereich der Roseggerstraße und Ederhöhe weitere Bauparzellen zu äußerst günstigen Bedingungen an.

Auf diesen Gründen wurde ein Wohnhaus mit 12 Eigentumswohnungen gebaut, das am 1. Mai 1977 zur Benützung übergeben wurde. Der zweite Wohnblock mit 18 Wohnungen wurde 1982 bezugsfertig.

Zur vorgenannten Siedlungsgenossenschaft (GWSG) gesellte sich im Jahre 1953 die „Gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlervereinigung Wallsee—Stadt Haag". Sie errichtete bis heute 63 Wohneinheiten im Bereich der Ziegelgasse, des Siedlungsringes und der Josef-Aigner-Straße. 1957 folgte die Wohnanlage in der Bahnhofstraße, 1959 und 1961 weitere Wohnungen am Siedlungsring, 1964/65 ein Wohnblock mit 12 Wohnungen. Außerdem wurden in den sechziger Jahren südlich der Stadt, in der Südtiroler Straße, 24 Eigenheime errichtet. Gerade in den letzten dreißig Jahren hat die Wohnbautätigkeit in Haag einen ungeheuren Aufschwung erlebt. So entstanden zwischen 1953 und 1982 im gesamten Gemeindegebiet 447 Neubauten (siehe graphische Darstellung). Viele der zahlreichen Baugründe stammen aus pfarrlichem Besitz, sie konnten zum Vorteil der Siedler zu günstigen Preisen erworben werden.

Der Flächenwidmungsplan zeigt, daß die Stadt heute in zwei Richtungen, nach dem Norden über die Westbahn hinaus und nach dem Süden wächst.

Große Verdienste erwarb sich bei dieser Entwicklung Bürgermeister Kommerzialrat Ernst HUBER, der seit 1962 die Geschicke der Stadt lenkt. Er war stets ein entschlossener Gegner einer Verhüttelung und Zersiedlung unserer Kulturlandschaft, so daß sich die Stadt in geschlossenen Siedlungseinheiten ausdehnen konnte. Seine Bestrebungen gipfelten in der Beschlussfassung eines Flächenwidmungsplanes für das gesamte Gemeindegebiet in der Sitzung des Gemeinderates am 17. Oktober 1980. Dies gewährleistet eine weitere harmonische Entwicklung der Stadt zum Wohle aller Bewohner.