Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Höllriglstraße 4

EZ. 46, Haus Nr. 46, Höllriglstraße Nr. 4 und Wienerstraße Nr. 7

Aus den Kirchenbüchern der Pfarre Haag:

16. 6. 1665

Trauung / Kauf ?

Mathias Egger Martha (Pirst) uxor

15. 5. 1668
Vogtheyprotokoll fol. 49

Kauf um das Pindterhäusel im Markt Haag

negst dem Spidall und Neubau über gelegen ... Matthias Egger, Pindter ux Martha verkaufen an Andreas Tichtl (Dichtl), Weißgärber ux Elisabeth um 39 Gulden

3. 6. 1670
Vogtheyprotokoll fol. 63

Inventarium

nach Elisabeth (+18.2.1670) des Andreas Tichtl (Dichtl), Bürger und Weißgärber zu Haag Ehefrau ... Erben: Witwer Andreas Tichtl und Töchterl Maria Elisabeth 3 Jahre, Häusl samt Garten 39 Gulden

8. 8. 1674
Vogtheyprotokoll fol. 122

Kauf Kauf um das Weißgärberhäusel im Markt Haag

ex officio verkauft die Grundt und Voggt Obrigkheit obgedachtes Weisgärber Heußl, welches von Andre Tichtl Weißgärber ordentlich haimbgesagt worden, massen solches Häußl ordentlich mit einem Gärttl eingefriedt und vermarcht ... dem ehrbahrn Simon Haghofer, Eva sein Eheweib und ihren beeden Erben, per geschlossenen Kaufschilling per 32fl. ...

30. 7. 1693
Vogtheyprotokoll fol. 47

Kauf Kauf um das Weißgärberhäusel im Markt Haag

Elias Feillmayr, Bürger und Weißgärber zu Haag ux Barbara verkaufen ihr Haus im Markt Haag an Thomas Wallner, Bürger Gastgeb im Markt Haag ux Eva Katharina um 60 Gulden.

27. 2. 1696

Trauung

Elias Fählmayr Anna Margaretha (Methäßl, Metthässl) uxor

8. 10. 1708
Vogtheyprotokoll fol. 346

Kauf Kauf um das Weißgärberhaus im Markt Haag

Thomas Wahlner, Rathsbürger und Gastgeb im Markt Haag ux Eva Elisabeth verkaufen Weißgärberhaus samt Zubehör an Matthias Wunsch, Tischlermeister, ux Elisabeth um 160 Gulden.

1. 1. 1709
Vogtheyprotokoll fol. 1

Inventur beim Weißgärberhaus

Ableben der Anna Frau des Johann Reuff, Weißgärber ... Erben: Johann Ley 1 ½ Jahre

16. 9. 1721
Vogtheyprotokoll fol. 5b

Kauf Weißgärber Haus

Mathias Wuntsch, Bürger und Dischler Maister im Markt Haag ux Elisabeth verkaufen das sogenannte Weißgärberhaus an den edlvesten Johann Ignatius Wibmer ux Anna und deren beeden Erben umd 160 fl.

27. 7. 1722
Vogtheyprotokoll fol. 18b

Abhandlung um das Weißgärber Haus

Nach Absterben des edlvesten Herrn Johann Ignatius Wibmer ... in Anschlag gebracht worden zu 160fl.

12. 9. 1726
Vogtheyprotokoll fol. 72b

Kauf umb das Weißgärber Haus im Markt Haag

demnach auf absterben Johann Ignatius Wibmer seelig ... die nachgelassene Wittib Anna Barbara ... von Georg Bartholomäus Wibmer ... dem ehrsamen Hanns Georg Ständler, seiner Profesion ein Pinder, Maria Eva seiner Braut und zukünftige Ehewürthin und deren Erben verkauft worden ... 250fl ...

21. 6. 1731
Vogtheyprotokoll fol. 117b

Inventur und Abhandlung um das Weißgärber Haus im Markt Haag

auf absterben weyl. Maria Eva, Hannß Georgen Sandler bürgerlicher Bindermaister auf besagtem Weißgärber Hauß ...geweste Ehewürthin seelig ... ist deren sambentliches Vermögen ... folgender gestalten verhandelt worden ... verbleibt 149fl 20x ...

 

 Kauf

Johann Reifer

3. 1. 1746
Vogtheyprotokoll fol. 17

Inventur und Abhandlung um die bürgerliche Weisgärber Behausung zu Haag

Nach Ableben (+18.8.1745) von Barbara, Frau des Johann Reifers ... Erben: Witwer und 2 Kinder: Johann Friedrich, Closter crembsmünster, und Weisgärber aldort; Anna Maria, led ...

2. 11. 1746

Trauung

Johann Ruedl Anna Maria (Reitter) uxor

2. 1. 1747
Vogtheyprotokoll fol. 38

Kauf Übergabe um das bürgerliche Weißgärber haus im Markt Haag

Johannes Reifer, Rathsbürger, Weißgärber und Witwer übergibt an Tochter Anna Maria, Frau des Johann Ruedl, Weisgärber um 150 Gulden.

6. 7. 1784

Trauung

Franz Ruedl Eva Maria (Bergmayr) uxor

 

Kauf

Franz Fuhrmann Anna (Brandstetter) uxor

11. 2. 1835

Trauung

Johann Georg Fuhrmann Elisabeth (Fuhrmann) uxor

Aus dem alten Grundbuch Pfarre Haag folio 6 - früher Haag 46:

15. 7. 1820

Kauf 1900fl.

Franz Fuhrmann, Weißgärber, Anna uxor

13. 1. 1821

Kauf 2160fl.

Anton Wilhelm Anna uxor

4. 4. 1828
Gewährbuch fol. 19

Licitationsverkauf 1200fl.

Georg Fuhrmann

28. 1. 1835
Gewährbuch fol. 12 und 15

Heirath 1200fl.

Georg Fuhrmann Elisabeth uxor

7. 5. 1868
Z. 2663

Einantwortung

Georg Fuhrmann

6. 10. 1869
Z. 2846

Kauf

Andreas Weiss

1. 10. 1870
Z. 2873

Kauf

Carl und Theresia Fellner

30. 4. 1874
Z. 1140

Kauf 5000fl.

Pimser Josefa

24. 11. 1876
Z. 960

Kauf / Ehepakte

Winter Andreas und Anna

Aus dem handgeschriebenen "neuen" Grundbuch von Haag:

24.11.1876

Kauf / Ehepakte

WINTER Andreas und Anna

14. 10. 1927

Tod

Andreas Winter (79 Jahre)

17.10.1927

Schenkung

WINTER Andreas jun. ½
TATZREITHER Hermine geb. Winter ½

31.1.1931

Kauf

WINTER Maria (½ v. Hermine Tatzreither)

24.1.1958

Einantwortung

LINTL-PUCHINGER Elfriede (½ v. Andreas )

9. / 10.9.1959

Übergabe

LINTL Georg (½ v. Maria Winter)

23.11. / 1.12.1965

Übergabe

GRUBBAUER Franz und Elfriede

EZ. 346, Geschäftslokal

9./10.9.1959

Übergabe

LINTL Georg (¼ von Maria Winter) = zus. 1/2

20.12.1950

Schenkung

WINTER Andreas (¼)
WINTER Maria (¼)
LINTL Georg (¼)
LINTL-PUCHINGER Elfriede (¼)

24.1.1958

Einantwortung

LINTL-PUCHINGER Elfriede (¼ von Andreas Winter) = zus. 1/2

1960: Baufl. 296 Geschäftslokal ab- und der EZ. 46 ds. Gb. zugeschrieben.
Einlage gelöscht.

"Das Weissgärberhaus" von A. Jilge, 1976. Hängt bei Familie Grubbauer.
Glas Winter-Grubbauer. Foto Sammlung Stadtgemeinde Haag.
"Das Weissgärberhaus" von A. Jilge, 1976. Hängt bei Familie Grubbauer.

Weißgerberhaus - Geschichtstafel

Die Aufzeichnungen in den Büchern von Haag zeigen eindeutig, dass in früheren Zeiten Binder in diesem Haus beschäftigt waren - zumindest aber hatte 1665 noch der letzte Binder an dieser Adresse geheiratet, der - wie auch seine Frau - nicht aus Haag stammte. Bereits 1668 verkaufte das Binderehepaar Mathias und Martha Egger das Haus um 39 Gulden an Andreas Tichtl und dessen Frau Elisabeth. Das waren die ersten „Weißgärber“ an dieser Adresse. In den nächsten Jahrhunderten gingen dann Weißgerber und Handschuhmacher in diesem Haus ihrer Arbeit nach.

Das Haus wechselte mehrmals den Besitzer, bis dann erstmals mit dem aus Pöchlarn stammenden Andreas Winter 1876 der Beruf des Glasers auftaucht. In diese Schaffensperiode des Andreas Winter und seines Sohnes, ebenfalls Andreas, fällt der Ausbau des Geschäftsvolumens auf eine Gemischtwarenhandlung und später auf den Geschirrhandel. 1934/35 schließlich wurde das Haus vom Tischlermeister Georg Lintl um eine Tischlerwerkstätte und eine im ersten Stock befindliche Wohnung erweitert. Jener Georg Lintl war es auch, der 1936 die Tochter des Hauses - Elfriede Winter - ehelichte.

Nach der Kriegsgefangenschaft erweiterte Georg Lintl um 1946 das bestehende Haus an der Vorderseite um einen Möbel Ausstellungs- und Verkaufsraum. Nach dem Tod seines Schwiegervaters Andreas Winter übergab die Witwe Maria Winter am 9. 9. 1959 das Haus Nr. 46 an Georg Lintl, das er jedoch seinerseits bereits 1965 an seine Tochter Elfriede und den Schwiegersohn Franz Grubbauer weitergab. Die Grubbauers bauten 1969 das Geschäft und die Wohnung gravierend um und 1993 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt, ehe 1997 das Haus an die Tochter Sybille Buchner übergeben wurde. 2007 wurde das Haus von Sybille Buchner an ihren Sohn Alfred Buchner und dessen Ehefrau Michaela übergeben. In der 6. Generation als Familienbetrieb erfolgte mit 1. Jänner 2012 die Trennung des Betriebes in zwei Bereiche. Alfred Buchner - gelernter Glasermeister - übernahm die Glaserei und sein Bruder Andreas Buchner - gelernter Großhandelskaufmann - den Geschirrhandel.

Text - Gerhard Obermayr