Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Marktprivilegien

Über zu geringes Entgegenkommen oder über Mangel an Wohlwollen seitens der Landesfürsten konnten sich die Haager nicht beklagen; denn sie bestätigten ihnen 1522, 1565, 1582, 1610 und 1627 ihre Marktprivilegien. Auch Kaiser Ferdinand I. war ihnen gewogen. Er ver­lieh am 31. Oktober 1563 dem Markte Haag den Wap­penbrief, aufgrund dessen der Markt berechtigt wurde, den Kirchenpatron St. Michael im Wappen zu führen. Das Original des kalligraphisch schönen Wappenbriefes mit der eigenhändigen Unterschrift des Kaisers befindet sich im Bürgermeisteramt der Stadtgemeinde. Eine für Haag so bedeutsame Urkunde (siehe Abb. am Vorsatz) soll in dieser Abhandlung nicht fehlen. Deshalb sei sie hier unverändert wiedergegeben:

„Wir Ferdinnand von Gottesgnaden, Erwelter Römischer Kaiser
zu allen zeiten Merer des Reichs in Germanien, zu Hüngern, Behaim, Dalmatien, Croatien, vnnd Sclavonien ec. Künig Infant in Hispanien, Ertzhertzog zu Österreich, Hertzog zu Burgundi, zu Brabandt, zu Steyer, zu Kärnndten, zu Crain, zu Lutzemburg, zu Wirtemberg, Ober- vnnd Nider Schlesien, Fürst zu Schwaben, Marggraue des hailigen Römischen Reichs zu Burgaw, zu Merhern, Ober vnnd Nider Lausnitz, Gefürster Graue zu Habspurg, zu Tyrol, zu Pfierdt, zu Kiburg, vnnd zu Görzt ec. Lanndgraue in Elsaß, Herr auf der Winndischen Marck zu Portenaw, vnnd zu Salins ec. Bekennen offenntlich mit disem Brieue, vnnd thuen khund allermeniglich. Das wir gnediglich angesehen, wargenommen vnnd betracht haben, die erbarkait, Redlichait, guet sitten, Tugend vnnd vernunnfft damit vnnsere getrewen N: Richter vnnd Rath des Marckhts Haag, in vnnserm Ertzhertzogthumb Österreich under der Enß gelegen, vor vnnser Kaiserlichen Maistat beruembt wer­den. Auch die vnnderthenigen, gehorsamen vnnd Willi­gen diennste, so Ire vorforden, vnnd Sy, Weilend vnnsern vorfaren, an vnnserm loblichen Hauß Öster­reich, vnnd vnns offt williglich gethan. Auch hinfuro nicht weniger zu thuen vnnd zu ertzaigen, sich ganntz vnnderthenigclich erbieten, auch wol thuen mögen vnnd sollen.

Vnnd darumben mit wolbedachtem muet, guetem Rath, vnnd rechter wissen, bemelter N: Richter vnnd Rath, vnnd gemainen Marckht Haag, diß hernach geschriben Wappen, Mit namen ain vlawe oder lacurfarben Schilt, im grund desselben, ain schröfiger perg, seiner naturli-chen felsenfarb, darauf vber sich vnnd fürwertz, des hai-ligen Ertzenngels Sancta (M)ichaels vildtnus, mit zwaien Hügeln, in ainem lanngen engen weissen vnnd darob ai-nem weiten fliegenden Leuiten Rock beclait, vnnd ainer gelben stollen Creutzweiß angethan, in seiner linckhen ain Waag, vnnd in der Rechten Hanndt zum straich vber sich ain plosses schwerdt haltenndt. Alsdann solch Wap­pen in mitte diß vnnsers Kaiserlichen brieues gemalet vnnd mit Farben aigentlicher aufgestrichen sein, von ne-wen gnedigclich verlihen vnnd gegeben, Verleihen und geben Inen das auch aus Römischer Kaiserlicher Macht-volkommenhait, hiemit wissenntlich in crafft, diß brieffs. Unnd mainen, setzen vnnd wöllen, das nun für-bashin ewiglich, die obgenannten N: Richter vnnd Rath, des Marckhts Haag, vnnd all Ir nachkommen diß obge-schriben Wappen haben, füren, vnnd sich dessen in allen vnnd Jeglichen ehrlichen vnnd redlichen sachen vnnd geschefften, es sey zu Innsigeln, pedtschadten, Claina-ten, gemelden, vnnd sonnst in allen anndern gemaines Marckts notturften nach Irem willen vnnd wolgefallen, frewen, gebrauchen vnnd gemessen sollen vnnd mugen. - Inmassen annder vnnser Märckht vnnd flecken, in vnnsern erblichen Fürstenthumben vnnd Lannden, so mit dergleichen freihaiten versehen sein, sich freuen, ge­brauchen vnnd geniessen, von Recht oder gewonnhait wegen, von allermeniglichen vnuerhindert. - Vnnd gebietten darauff allen vnnd jegclichen Prelaten, Grauen, Freyen, Herrn, Rittern, Knechten, Lanndthaubtleuten, Lanndtmarschalckhen, Landtuögten, Haubtleuten, Vitzdomben, Vögten, Pflegern, Verwes-sern, Kunndigern der Wappen Ehrenholden, Perseuann-ten, Ambtleuten, Schulthaissen, Burgermaistern, Rich­tern, Räthen, Burgern, Gemainden, vnnd sonnst allen anndern vnnsern vnndertanen vnnd getrewen, Inn was werden stanndts oder wesens die sein, Ernnstlich vnnd vestigclich mit diesem Brieue, vnnd wollen. Das Sy die obegenannten N: Richter vnnd Rath des Marckhts Haag, vnnd all Ir nachkommen, für vnnd für ewiglich, an dem obgeschriben Wappen, nicht hinndern noch Ir­ren, sonndern Sy wie der wie obsteet, gerüebiglich ge­brauchen, gemessen vnnd gäntzlich dabey bleiben las­sen. Hiewider nit thuen, noch des Jemanndts anderm zu thuen gestatten, in ain weise als lieb ainem Jeden sey, vnnser schwere vngnad vnnd straff. Vnnd darzue ain Peen, benenntlichen Zwaintzig Marckh löttigs goldes zuuermeiden, die ain Jeder so offt er freuenlich hiewider thete, vnns halb in vnnser Camer, vnnd den anndern halben tail, obgenannten N: Richter vnnd Rath des Marckhts Haag, vnnachleßlich zu bezallen verfallen sein solle.

Doch anndern die villeucht den obbegriffen Wappen gleichfurten, an denselben Iren Wappen vnnd gerechtig-khaiten unvergriffen vnnd vnschedlich.

Mit urkhund diß brieffs, besigelt mit vnnserm Kaiserli­chen anhangendem Insigel. Geben auf vnnserm Künigli-chen Schloß Preßburg, denn Letzten Tag des Monats Octobris, Nach Christi gehurt Fünfzehenhundert vnnd im Dreiundsechigsten, Unserer Reiche des Romischen, im Dreivnddreissigsten, Vnd der Anndern im Sibenvnddreissigisten Jaren.

Admantate Dni. Elcti.
Ferdinand e. h. Imperatoris propriet.
Joh. Bap. Weber.
Unterschrift unleserlich

Des Marckhts Haag Wappen.