Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Flözerweg — Limesstraße

Völlig sicher ist jedoch, dass die wichtigste Heeresstraße an der Nordgrenze des Römerreiches, die "Limesstraße", über Haager Gebiet führte.

Nach Herbert Jandaurek berührte die Limesstraße den Weiler Schaching und führte dann unter der Bezeichnung "Flözerweg" durch den Plankenwald und das Brandholz zu den Rathäuseln, kreuzte zwischen Dorf und Oberndorf die Bezirksstraße Haag — Strengberg, um weiterhin über Klaubling und Jauer hinaus in der Nähe von Altenhofen zu verschwinden.

Die Richtigkeit dieser Trassenführung wurde zwar von Franz Ertl bestritten, doch ist die von ihm angegebene Trasse Aschbach — Oed — Wallsee und weiter entlang der Donau (also im Überschwemmungsgebiet) nach Albing wenig glaubwürdig.

In jüngster Zeit hat dazu auch Theodor Habsburg-Lothringen Stellung bezogen und hat in seiner gründlichen Kenntnis des Gebietes die ursprünglich angenommene Trassenführung erhärtet. Von Schaching, westlich Oed, führte die alte Limesstraße zur Höhe 391, wobei sie beiderseits dieser Höhe die Gemeindegrenze zwischen Strengberg und Wolfsbach/Meilersdorf bildete. Hier ist nach den Messungen Theodor Habsburgs auch der ursprüngliche Platz der alten, auf der Peutingertafel eingezeichneten Poststation "Elegio" zu suchen. Tatsächlich wurden bei Aushubarbeiten im Zuge des Autobahnbaues dort schwere Steintrümmer zutage gefördert, die im dortigen Boden ortsfremd waren. Bei der Höhe 374, am Nordrand der Kirnhub, erreichte die Limesstraße Haager Gebiet und bildete ab dort auf ca. 3/4 km die Grenze zwischen Strengberg und Haag. Über Rathäuser — Altenöd — Langenfeld — Schudutz und Strass überquerte sie die heutige Straße Haag — Strengberg und führte über die Höhe 379 hart nördlich von Klaubling in Richtung auf den Raabberg weiter, bei dem sie das Haager Gebiet verließ und über Holzhäuser die Höhe 321 südöstlich Altenhofen erreichte, wo sie die Steilstufe neben der Stelle, an der einst die gleichnamige Burg stand, nach Altenhofen (270) hinabführte und schließlich die Ennsebene erreichte.

Um 1000 herum verlor allerdings die Limesstraße insofern an Bedeutung, als ab dem Galgenholz westlich Oed über Steinstrass — Flachsberg — Ottendorf — Strengberg und weiter in Richtung Altenhofen eine neue Fahrstraße immer mehr an Bedeutung gewann, bis schließlich auch der Ausdruck "publica strata", mit dem man zunächst die alten Römerstraßen bezeichnete und die im Volksmund auch "Hochstraßen" genannt wurden, auf diese neue Fahrstraße überging. So wurde in der Tauschurkunde König Heinrichs II. mit dem Kloster Tegernsee", in der dieses 60 Königshuben im Raum Strengberg erhielt, schon die neue Straße mit dem alten Namen belegt. Bestärkt wird das noch durch die Nennung des Ortes Thürnbuch als Ausstellungsort einer Urkunde des Jahres 1058 für den Markgrafen Ernst von Österreich durch König Heinrich IV., der damals aus dem Marchfeld kommend über Ybbs nach Nürnberg reiste (Mon. Germ. Hist., Dipl. reg. et Imp. Germ., Tomus VI/I, S. 52 ff.). Wenn auch diese Urkunde als spätere Fälschung Rudolfs IV. erkannt wurde, so muss es doch eine echte Urkunde des Kaisers an den Markgrafen gegeben haben, die nach Ausstellungsort und Datum mit der Fälschung übereingestimmt haben muss. Da nun Thürnbuch an der heutigen Bundesstraße 1 über Strengberg liegt, muss diese Trasse damals schon benutzt worden sein, sonst hätte der Kaiser nicht dort eine Urkunde ausstellen können.

Neben der neuen Straße im Strengberger Raum, die kürzer war als die alte Limesstraße, bestand aber auch diese über Haager Gebiet führend weiter, nur dass sie im Volksmund ihren alten Namen geändert hatte. Man bezeichnete sie jetzt als Flözerweg oder Flößerweg, wobei dieser Name auf die von der Naufahrt zurückkehrenden Flößer, die diesen Weg benützt haben sollen, anspielt. Ich glaube nicht an diese Art der Auslegung. Das Wort kommt wohl vom mhd. "vletze, vlez", heute mundartlich noch "Flöz", und bedeutet eine verhärtete Bodenstelle, etwa eine Tenne. Bauern gebrauchen das Wort heute noch im Zusammenhang mit hartem Boden (hart wie ein Flöz). In der Sprache der Bergleute bedeutet es dagegen eine kohle- oder erzführende Schicht. Ein Flözerweg ist also ein Weg (Straße) mit harter Unterlage. Da im Mhd. s und z vielfach durch den Buchstaben Z ausgedrückt wurden, kam es hier zu der Verwechslung der zwei ähnlichen Worte Vletze und Vloezer (Flöz und Flößer).