Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Haag als kultureller Mittelpunkt der Region

Als Basis jeder Kulturarbeit sind die Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche — also Kindergärten und Schulen — zu betrachten. Die Stadtgemeinde Haag hat in den letzten drei Jahrzehnten alle ihre Kräfte für den Ausbau dieser Einrichtungen mobilisiert. Die diesbezüglichen Aktivitäten sind unter dem Thema „Haag auf dem Weg zur Schulstadt" näher beschrieben.

Haag war immer für seine Festlichkeiten auf breiter Basis bekannt. Festumzüge, Blumenkorsos, Theateraufführungen, Faschings- und Brauchtumsveranstaltungen wurden und werden von den verschiedensten Vereinen und politischen Gruppen für die Bevölkerung der Stadt und der Umgebung organisiert.

Der Musik- und Gesangverein gehört zu den ältesten Kulturträgern der Stadt. Er umfaßt die Stadtkapelle und einen Männerchor und bestreitet die blasmusikalische Umrahmung aller Feste. Der MGV „Liedertafel" Haag wiederum hat sich besonders der Pflege des Chorgesanges verschrieben. Er besteht seit 1886 und setzt sich derzeit aus einem Männerchor und einem Gemischten Chor zusammen.

Ab 1890 bereicherten auch verschiedene Laienbühnen das kulturelle Geschehen in Haag. Liedertafel, Turnverein, die Vereinsbühne Haag, die Bühne der Stadt Haag, der Katholische Burschenverein und die Kongregation, die Katholische Jugend und die Hauptschulklassen führten in den vergangenen neunzig Jahren über 150 verschiedene Sprechstücke und Operetten auf. Die Laienspieler traten in der Jahnturnhalle, im Saal des Gasthofes Forstmayr, im Kino und im Pfarrsaal auf. Besonderen Erfolg hatte die Bühne der Stadt Haag. 1952 bekam sie vom Unterrichtsministerium das Prädikat „Drittbeste Laienbühne Österreichs". In den Jahren 1964 bis 1967 veranstaltete die Stadtgemeinde mit der Stadtsparkasse einen Gemeinde-Fasching im Gasthaus Forstmayr. Daraus entstand der „HAAGER KARNEVAL", der vom ÖAMTC, Zweigverein Haag—St. Peter, seit 1968 in unserer Festhalle gestaltet wird.

1956 wird mit Gemeinderatsbeschluß die Volkshochschule Haag gegründet. Ihr Leiter OSR Karl Engel bietet den Besuchern jährlich ein breitgefächertes Bildungs- und Fortbildungsprogramm an. Sie ist die wichtigste Erwachsenenbildungseinrichtung der Stadt. Daneben sind aber auch das Katholische Bildungswerk und das Ländliche Fortbildungswerk aktiv.

Eine private Kultureinrichtung ist das CENTRAL-KINO Haag. Es wurde 1927 von der Familie Wagner gegründet und 1932 in ein Tonkino umgebaut. Heute ist es das einzige Lichtspieltheater zwischen Steyr, Enns, Waidhofen/Y., Amstetten und Grein.

Ebenso bestimmen die neugegründete Volkstanzgruppe seit 1977 und die Goldhaubengruppe seit 1979 das kulturelle Geschehen. 1981 fand sich nach dreißigjähriger Unterbrechung wieder eine Schuhplattlergruppe zusammen. Sie stellte sich beim Volksliedtag am 26. Oktober 1981 erstmals einem breiten Publikum vor.

Die Stadtgemeinde Haag ist sich ihrer kulturellen Aufgabe aus dem geschichtlichen Erbe heraus immer bewußt. Deshalb unterstützt sie die kulturtragenden Vereine nach besten Kräften. Gerade unter Bürgermeister Kommerzialrat Ernst Huber wurden seitens der Stadtverwaltung kulturelle Impulse in neuen Bereichen gesetzt. Durch diese Initiativen bekam die Stadt einen Bekanntheitsgrad, der weit über die Grenzen des Bezirks und des Bundeslandes hinausgeht.

Die Konzerte der NÖ Tonkünstler gehören seit 1948 zum festen Bestandteil der Kulturszene Haags. Bisher gab es 35 Abendkonzerte dieses Klangkörpers. Dazu gesellen sich die Schülerkonzerte, die großen musikerzieherischen Wert für die Pflichtschuljugend haben.

Musik scheint die Haager schon immer begeistert zu haben. Deshalb wurden auch die Bestrebungen des Bürgermeisters nach Gründung einer Musikschule vom Gemeinderat unterstützt. 1966 nahm die Städtische Musikschule ihren Betrieb auf. Bereits 1967 konnte das „Jugendblasorchester der Stadt Haag" gegründet werden. Diese Jugendkapelle machte den Namen der Stadt durch Rundfunk- und Fernsehauftritte sowie durch Auslandsreisen publik.

1966, mit Beginn der Tätigkeit von Professor Josef Leeb in Haag, kam auch der Sitz des NÖ Blasmusikverbandes nach Haag, sodass die Stadt zum Zentrum des Blasmusikwesens Niederösterreichs wurde. Eine lange Tradition hat auch die Stadtbücherei. Mit dieser Bildungseinrichtung begann Direktor August Bäunard im Jahre 1920. Seit 1963 besteht eine moderne Freihandbücherei. Sie dient den vielfältigen Interessen aller Bevölkerungsschichten. Die Bücherei leitet seit 1968 die Bibliothekarin Frau Cäcilia Bauer.

Neben dem Schwerpunkt Blasmusik bekam auch die museale Bewahrung heimischen Kulturgutes in Haag ihren Platz. 1969 wurde das MOSTVIERTELMUSEUM eröffnet, das im letzten Augenblick altes Kulturgut vor der Vernichtung retten konnte. Aus dem gleichen Grund begann die Stadtgemeinde mit der Errichtung des ersten grösseren Freilichtmuseums Niederösterreichs, das seit 1979 frei zugänglich ist. Untrennbar mit den Museen in Haag ist der Name des Gemeindebeamten Amtsrat Johann Hintermayr verbunden. Er hat diesen Einrichtungen auch eine beachtenswerte Publikation gewidmet.

Um dem Nationalfeiertag einen tieferen Sinn zu geben, veranstaltet das Kulturamt der Stadtgemeinde seit 1978 in der Woche vor dem 26. Oktober die HAAGER KULTURTAGE. Sie umfassen ein umfangreiches Programm. Als Rahmen dient meist eine Kunst-, Fotooder Gemäldeausstellung. Den Höhepunkt bildet der NÖ Volksliedtag am Nationalfeiertag. Bei Mundartmessen, Volksliedvorträgen und Volkstänzen vereinen sich dabei jährlich Chöre aus ganz Niederösterreich mit dem anwesenden Publikum zu festlichen Gemeinschaften.

In den letzten Jahren baute das Kulturamt die kulturellen Aktivitäten ständig aus. Dichterlesungen, Kammermusikabende, Solistenkonzerte, Filmabende, Chorkonzerte und Theaterfahrten runden das kulturelle Angebot ab. Die Stadt Haag ist somit in der glücklichen Lage, jedem Bewohner ein Kulturprogramm für seinen Geschmack bieten zu können.