Haus-Chroniken von Haag

Nach Katastralgemeinden - von damals bis heute

Badgasse 3

Nadler Hofstatt, Wirthschaft Nr. 30 - Gstetten EZ. 27

Aus den Kirchenbüchern von Haag:

5. 5. 1622

Quittung

Georg Riener Catharina uxor quittieren Wollf Pichler und Susanna sein Ehewirthin wegen der erkauften Hofstatt genanndt die Puckherlahen (?) Hofstatt im Kirschendorf ... 330fl ...

13. 10. 1638

Inventarium

Auf absterben Wolfen Pichlers Nadlers im Khirschendorf welcher den 29. September mit Todt abgang und seine Erben hinterlassen seine Wittib Susana ... P. 336fl ...

23. 11. 1638

Trauung

Andreas und Susanna (Riegler) Adlberger

17. 1. 1639

Heyrathsbrief

Andrea Adlberger an der Mukhenlachner Hofstatt im Khirschendorf Haager Pfarr ... hat sich unlängsten zu Susanna weillandt Wolfen Pichler Nadler alda gesessen hinderlassner Wittib, christlicher Ortnung nach verehelicht und darbey, der zeitlich Gütter halber ... 100fl ...

15. 11. 1656

Trauung

Johann und Catharina (Scherleitner) Imberger

28. 5. 1659

Inventarium

nach Andreas Adlberger, Hofstätter in Kirschendorf ... Erben: Witwe Susanna und Geschwister: Wolf Adlberger hinterl 3 Kinder: Hanß Adlberger, Zimmermann unter Passau ... Georg Adlberger, außer Landes, und Michael Adlberger, drezeit Soldat; dann A: Steffhueberin Kinder: Barbara, Frau des Smig zu Haindorf; Susanna Sachfridtnerin 3 Kinder Thomas, Philipp und Steffan; Ainbaendig: Vom Vatter Halb rechter Geschwister: Philipp Adelberger um 20 Jahre, Kriegswesen unwissent; Vermögen: die Nadler Hofstatt in Kirschendorf 150 Gulden. Dann 1 Kuh ...

9. 7. 1659

Kauf

Beschreibung um die Adlberger Hofstatt in Kirschendorf ... Hannß Imberger ux Katharina kaufen von Magdalena Adelberger, Witwe, die Hofstatt in Kirschendorf um 150 Gulden ...

19. 12. 1664

Inventarium

auf absterben Hansen Imberger an der Nadler Hoftatt, ist dessen Verlassenschaft nachfolgent beschriben und verhandelt worden ... Erben die Wittib Catharina ...

15. 11. 1667

Trauung

Jacob und Catharina (Imperger) Irxenberger

19. 12. 1701

Inventarium

beym Nadler zu Kirschendorf ... nach Ableben von Jakob Irxenberger auf der Nadlerhofstatt zu Kirschendorf ... Erben: Witwe Catharina und 2 Kinder: Matthias 22 und Susanna 24 Jahre ... Vermögen: Hofstatt zu Kirschendorf, die Nadler Hofstatt genannt 150 Gulden ... Dann: 2 Küh; 1 Keibl; 2 Mezn Khorn, 5 Mezn Linß; 2 Mezn Haber; ...

Kauf ?

Andreas und Susanna Kaindl

7. 7. 1712

Inventur und Abhandlung



Kauf

an der Nadler Hofstatt zu Kirschendorf ... Auf zeitliches Ableben der Susanna, Frau des ehrb Andreas Kaindl ... Erben: Witwer und 2 geschwistert Hanns Klestorfer zu Judenau bei Tulln Adam Imberger, Kleinhäusler bei Göbliz (salab.) Georg 25 und Matthias 15 Jahr ...

um die sogenannte Nadler Hofstatt zu Kirschendorf ... Andreas Kaindl Witwer verkauft an Michael Weiss ux Katharina (Ausnahme: freie Herberg, Nahr und Underhaltung auf zeitlebens lang) ...

3. 8. 1712

Trauung /

Michael und Katharina (Kaindtl) Weiß

26. 4. 1713

Abhandlung

eine Auszüglers am der Nadler Hofstatt ... Auf zeitliches Ableben des Andreas Kaindl Witwer ...

10. 6. 1738

Abhandlung

um eine Hofstatt in Kirschendorf ... Nach Ableben von Katharina, Frau des Michael Weissen in Kirschendorf ... Erben: Witwer und Kinder der Schwester: Andreas Praunsperger; Matthias am Zainerhäusl, perwath., Maria Klauplinger, rohrbacherisch, Elisabeth und Margaretha ...

22. 3. 1747

Inventur und Abhandlung

bei der Nadlerhofstatt in Kirschendorf ... Nach Ableben von Michael Weissens ... Erben: Witwe und Kindeskinder: des Martin Weissens, dorf., 2 Kinder: Maria und Johannes Weiss, led; Andreas Weiss Inwohner zu Kronsdorf, losensteinleitn.,; Maria Weissin, außer Landes ohnwissend; Des Georg Wolfegger 2 töcher: Katharina, Frau des Gregor Khogler, Kleinhäusler in der Schönmühle; Susanna, Frau des Veith Aigner; des Adam Wolfegger Töchter: Katharina und Kunigunde ...

20. 4. 1747

Stüft

um die Nadlerhofstatt in Kirschendorf ... auf hinzueheyrathen Stephen Arthner, Guett Wohlspacherischer Pupill, zu Kunigund, weyl. Michael Weissens seelig nachgelassene Wittib, würdet hierob bemeldte Hofstatt heut dato ordnungsmässig gestüftet ... 150fl ...

23. 6. 1773

Inventur Schätz und Abhandlung

auf der Nadler Hofstadt in Kirschendorf nach hiezeitlichem absterben weyl. Joseph Artners ... Erben seynd nebst der hinterlassenen Wittib Elisabeth derenselben ehelich erzeigte 2 Kinder namens Johann 10, Maria 4 Jahre alt ... Summe völligen Vermögens 360fl 48x ...

13. 4. 1774

Haus Anstüft

auf beschehenes hinzu heyrathen Josef Stereisslberger Herrschaft Sossischer Pupillen vom Perghof, zu Elisabeth weyl. Joseph Artner gewester Pfarr Haagischer Grund und Herrschaft Salabergischer Unterthan ... wirdet besagte Hofstatt zu Kirschendorf ... nachgelassene Wittib ... dato ordnungsmäßig verstüftet ... 150fl ...

26. 4. 1774

Trauung /

Joseph und Elisabeth (Artner) Streßlberger

10. 11. 1779

Schätz und Abhandlung

auf zeitliches hinscheiden weyl. Elisabeth des Joseph Streisslberger auf der sogenannten Nadlerhofstatt zu Kirschendorf ... Erben Wittiber Joseph Streisslberger und aus erster Ehe 2 Kinder Johann Artner 15 und Maria Artnerin 10 Jahre alt ... Summa ... 501f 33x ...

9. 1. 1789

Kauf

um die Nadlerhofstatt samt den dabey befindlichen Gründen ... Joseph Streisselberger ... verkauft seine bisher seit ao 773 besessene Nadlerhofstatt samt den dabey befindlichen Gründen so inder Pfarr Haag Ruth Kirschendorf Sub № 4 liegend sind, dem ehrbahren Georg Mayrhofer zu Kirschendorf für seinen Sohn Thomas Mayrhofer und seiner zukünftigen Ehewirtin Maria Artnerin ... Pupilin von besagter Nadlerhofstatt um den Kaufschilling und zwar das Benern Haus samt den dabey befindlichen Grund ... 629f 15x ...

12. 8. 1808

Trauung /

Johann und Theresia Egelseder) Mayrhofer

16. 11. 1808

Trauung /

Joseph und Magdalena (Kinhaas) Kienast

19. 10. 1852

Trauung / Kauf

Joseph und Maria (Mayrhofer) Nömayr

Kauf

Johann und Maria (Nußbaumer) Gölzner

10. 11. 1873

Trauung

Franz und Maria (Schörghuber) Gölzner

5. 8. 1919

Trauung

Franz und Caecilia (Amtmann) Gölzner

Aus dem alten Grundbuch Pfarre Haag, folio 57 - früher Kirschendorf № 4:

26. 8. 1819

Kauf

Josef Nömayr alleine

11. 9. 1821

Heirath

Josef Nömayr Maria uxor

22. 5. 1852

Einantwortung

Josef Nömayr Witwer

30. 12. 1852

Heirath

Maria Nömayr geb. Mayrhofer

6. 12. 1858

Tausch

Johann Gölzner und Eva

3. 1. 1867

Einantwortung

Eva Maria Gölzner

17. 7. 1872

Einantwortung

Franz Gölzner

23. 10. 1873

Ehevertrag

Maria Gölzner

17.7.1872

Einantwortung

GÖLZNER Franz

23.10.1873

Ehevertrag

GÖLZNER Maria (½)

19.5.1908

Einantwortung

GÖLZNER Maria

12.7.1919

Kauf

GÖLZNER Franz und Zäzilia

Bfl. 51 mit Haus Nr. 30 und Gst. der KG. Gstetten in Gst. der KG. Haag umbenannt und der EZ. 188 Gb. Haag zugeschrieben.
Einlage kassiert.

EZ. 188, Wirtschaft Nr. 155, Badgasse Nr. 3

Aus dem handgeschriebenen "neuen" Grundbuch von Haag:

12.7.1919

Kauf

GÖLZNER Franz und Zäzilia

9.5.1936

Kauf

SCHÜBL Franz und Rosina

6.2.1963

Übergabe / Ehepakte

FELLNER Josef, *1929
FELLNER Anna, *1936

28.4.1975

Einantwortung

FELLNER Anna, *1936

8.8.1985

Übergabe

FELLNER Franz, *1961
FELLNER Christine, *1962

Ursprünglich EZ. 27 KG. Gstetten. Baufl. und Gst. wurden umbenannt in Gst. der KG. Haag und der EZ. 188 KG. Haag zugeschrieben.
Eigentümer vor 1919 siehe daher in EZ. 27 KG. Gstetten.
1936: u.a. Bfl. 231 Haus Nr. 156, Badgasse Nr. 5 ab- und der EZ. 256 ds. Gb. zugeschrieben. Betreffende Einlagenaufschrift hier gelöscht.


Fotoquelle GISquadrat

Der Nadler

Nadler (Drahtzieher) bei der Arbeit. Quelle Wikipedia.

Nadler standen in enger Verbindung mit der Drahtherstellung (Drahtzieher) und fertigten aus Eisen-, Stahl- und Messingdraht einfache Näh- und Stecknadeln zum alltäglichen Gebrauch, gewerbliche Nadeln für zahlreiche andere Handwerke und die sogenannten Nadlerwaren wie Stifte, Haken, Ösen, Hefteln, Stricknadeln, Ketten, Schreibtafelgriffel, Angelhaken, Siebgewebe, Drahtgitter, Vogelbauer, Mausefallen und andere.

Das älteste Produktionszentrum für Näh- und Stecknadeln war Nürnberg, wo das Gewerbe der Nadler im Jahre 1370 bereits zünftig war. Später entwickelten sich in Schwabach in Franken, Aachen und Umgebung und in den saarländischen Städten Altena und Iserlohn bedeutende Nadlerwerkstätten.

Ursprünglich wurden die Nähnadeln in der Weise hergestellt, dass man mit der Schere ein Stück Draht entsprechend der Länge der Nadel abschnitt, an einem Ende zuspitzte und am anderen Ende platt schlug. In dieses abgeplattete Ende wurde in der Mitte vom äußeren Rand aus ein Spalt eingeschlagen, den man zur Haltung des Fadens vorn wieder zusammenschlug. Diese Art von Nadeln wurden Glufen genannt, ihre Hersteller Glufner oder Glufenmacher. Später wurde es üblich, das Nadelöhr in das abgeplattete Ende zu bohren und es mit einer kleinen spitzen Feile, der Fitzfeile, länglich zu feilen.

Text von © Ch. Brandstätter Verlag

Geschichte

Das Verfahren der Drahtherstellung hat sich über Jahrhunderte kaum verändert: Auf kaltem Weg werden Stangen rund vorgeschmiedet und (heute in Form von warmgewalztem Draht) durch eine sich verjüngende Öse (das Hol) eines Zieheisens gezogen. Da es fast nie möglich ist, das gewünschte Endmaß in einem einzigen Arbeitsgang zu erzielen, sind mehrere Ziehgänge nacheinander erforderlich.

Eine besondere Kunst beim Drahtziehen bestand darin, das Ziehhol so zu gestalten, dass möglichst wenig Reibung entstand, der Kraftaufwand also geringer war. Diese Kunst bewahrten die Zöger oder Drahtzieher in Altena als Geheimnis, das nicht in andere Orte weitergetragen werden durfte.

Die ersten Zieheisen tauchten im ersten nachchristlichen Jahrhundert auf. In seiner Geschichte der Eisendrahtindustrie meint O. H. Döhner 1925, Draht sei zunächst für die Ringelpanzer verwendet worden, die schon die Römer (lt. M. Terentius Varro † 26 v. Chr.) bei den Galliern gesehen hatten. In Frankreich sind Zieheisen gefunden worden, die aus gallisch-römischer Zeit stammen dürften.

Zur Herstellung der Panzer brauchte man eine Unmenge möglichst gleichmäßiger Eisenringe - Draht, der durch Biegen, Flach- und Nietlochschlagen leicht zum Panzergeflecht zu verarbeiten war. Die vielen Kriege zwischen Franken und Sachsen seit dem 6. Jahrhundert dürften dafür gesorgt haben, dass die Kunst des Drahtziehens um diese Zeit auch in Deutschland – zunächst im Raum Nürnberg, später in Westfalen – ausgeübt wurde. Hauptort für die Herstellung der Ringelpanzer war bis zu deren Verschwinden aus der Kriegsrüstung die Stadt Iserlohn. Für feinere Drähte ist später das benachbarte Altena die „Drahthauptstadt der Welt“. Von der Burg Altena aus wurde der Handel mit dem begehrten Osemund geschützt.

Die zahlreichen kleinen Wasserläufe mit ihrem starken Gefälle ließen sich gut für den Antrieb der Wasserräder nutzen, und die ausgedehnten Bergwälder lieferten genug Holz zum Glühen des Eisendrahtes während der Herstellung.

Die meisten Altenaer Drahtrollen dürften spätestens im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts entstanden sein, denn die mit Ausgang des 14. Jahrhunderts eingeführten Registerbücher weisen keine landesherrlichen Genehmigungen zur Nutzung der Wasserläufe nach dieser Zeit auf.

Im Unterschied zu den Wassermühlen zum Mahlen von Getreide, die im westlichen Deutschland seit den Zeiten der Römerherrschaft bekannt waren, wurden die Wassertriebwerke zur Drahtherstellung Rollen oder Drahtmühlen genannt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts zählte man in Altena 66 Rollen.

An der in jedem Rad steckenden Welle waren zwei Ziehbänke („Klötze“) angebracht, an denen je zwei Leute arbeiteten, nämlich der eigentliche Drahtzieher oder Zöger und ein Gehilfe. Die schwerste Arbeit, das Ziehen, übernahm das Wasserrad, dessen kräftige Drehbewegung durch ein kompliziertes Nocken- und Hebelwerk in Press- und Zugbewegungen umgesetzt wurde: Die Zange schloss sich selbsttätig, fasste den Schmiededraht und zog ihn durch das Zieheisen, worauf er in der nun dünneren Form auf eine Trommel gezogen wurde. So arbeitete die Bankzögersbank ruckweise und zog jeweils nur wenige Zentimeter. Der gezogene Draht war über und über mit Zangenbissen bedeckt. Sie mögen bei den gröberen Sorten, die auf der Bank fertig gezogen wurden, wohl recht unschön gewirkt haben, verschwanden aber, falls der Draht später auf den Winnerscheiben feiner gezogen wurde. Eine Einrichtung, die den Grobzugdraht dünner zog, wurde Kleinzögerbank genannt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich an diesen Werkbänken technisch wenig.

Aufgrund der unkomplizierten Handhabung wird die Kleinzögerbank, schlicht Ziehbank genannt, heute vor allem von Silber- und Goldschmieden genutzt.

Text aus Wikipedia

Ausschnitt aus dem Franziszeischen Kataster von 1822. Deutlich erkennbar ist der Umstand, dass zu dieser Zeit auch das Nachbarhaus Badgasse 4 ebenfalls noch (fast) ein Vierkanter war. Der Haagerbach führte damals noch knapp an der Nordseite der Häuser vorbei - unabdingbar als Kraftquelle für die Arbeit des Nadlers!